Rote Wand – „Quelle der Leidenschaft“

Als 6-jähriger Bursche durfte ich das erste Mal mit meinem Papa zu einer alpinen Kletterroute aufbrechen. Als Tourenleiter einer DAV-Sektion wählte er den Ostgrat der Plattnitzer Jochspitze (IV) im Lechquellengebirge aus. In der Zeit als es noch kein Sportklettern, fast keine Klettergärten und erst recht keine künstlichen Kletterwände gab, war es für mich das höchstmögliche Abenteuer als Erstklässler. Mit Wanderschuhen, Skihelm und Brustgurt ausgestattet wurde ich voller Stolz in eine Dreierseilschaft, zwischen die erfahrensten Alpinisten der Sektionsgruppe, eigeteilt. Mein Herz pochte ähnlich stark wie bei der Skiclub Meisterschaft des vergangenen Winters, als ich die Bambini-Wertung souverän gewann. Es war einfach herrlich am ausgesetzten Grat Richtung Gipfel zu turnen. Ein Kindheitstraum wurde wahr. Ohne Probleme meisterte ich alle schwierigen Aufschwünge und wurde am Ende von meinem Papa mit Handschlag und Gipfelgruß empfangen. Stolzer konnte ich in dem Moment nicht sein… Ab diesem Zeitpunkt war mit klar, dass neben „Skirennläufer“ im Winter, der „Bergführer“ im Sommer mein zweiter Traumberuf werden wird.

50 Jahre später, stehe ich nur wenige Schritte vom Einstieg der ersten alpinen Kletterroute entfernt und blicke hinüber zur „Quelle der Leidenschaft“. Denn dort begann mein Weg zum Bergführer.          

      

Berg:
Rote Wand, 2704 m

Gebiet:
Lechquellengebirge

Lage:
Ca. 12 Kilometer westlich von Lech am Arlberg.

Route:
„Quelle der Leidenschaft“

Exposition:
Südwand

Schwierigkeit/Länge:
8-/250 m

Charakter:
Eine moderne Route im äußerst rechten Wandteil, die durchgehend beste Felsqualität aufweist. Auf den ersten Blick würde man niemals vermuten, welch traumhafte Linie die Erstbegeher ausgewählt haben.

Prädikat:
Sehr empfehlenswert!

Absicherung:
Mit Edelstahl Schwerlastankern, Normalhaken und Fixkeilen dem Schwierigkeitsgrad entsprechend gut eingerichtet.

Mobile Absicherungsmöglichkeit:
Kleine – mittlere Friends/Camalots können ab und zu eingesetzt werden.

Zufahrt:
Über den Arlbergpass und den Flexenpass nach Lech. Oder von Reutte durch`s Lechtal, bzw. über den Bregenzerwald und den Hochtannbergpass nach Lech am Arlberg.
In Lech zweigt man gegenüber dem Hotel „Post“ nach Zug ab und folgt der Straße bis zur Mautstelle.
Zwischen 9.00 Uhr und 15.30 Uhr ist das Befahren der Mautstraße mit dem eigenen Pkw verboten. In dieser Zeit muss der öffentliche Wanderbus benutzt werden.
Fährt man mit dem eigenen Pkw auf der Mautstraße weiter (20,- Euro), gelangt man nach ca. 5 Km zu einer Gabelung. Dort nach rechts der Ausschilderung Formarinsee/Freiburger Hütte (Übernachtungsmöglichkeit), bis zum Ende der geteerten Straße, folgen.
Natürlich kann man die Strecke auch mit dem Fahrrad/E-Bike bewältigen. Fahrzeit der ca. 10 Kilometer langen Straße, rund 1 Stunde bei 300 Meter Höhenunterschied. Mit dem E-Bike geht`s schneller.

Zustieg:
Gleich vom Parkplatz direkt über einen begrünten Rücken gerade hinauf, bis man den Rand einer großen Karrenhochfläche erreicht. Dort befindet sich, etwa in der Mitte ein plattiger Rücken, der am bequemsten durch die Blockhalden leitet. Nun immer rechtshaltend in Richtung Ostgrat aufsteigen. Die Einstiegsverschneidung befindet sich neben einer großen Einbuchtung. Siehe Bildtopo.

Abstieg:
Über den Ostgrat bis zur Schulter abklettern. Meist steht hier ein Steinmann.
Leicht rechts, unter einem großen Block, befindet sich die erste Abseilstelle. Nun ca. 35 Meter abseilen, dann ein Stück zu Fuß zu einer weiteren Steilstufe die wieder abseilend (30 Meter) überwunden wird.

Infos zu weiteren Routen an der Roten Wand findest Du:
HIER 

Führer:
Alle wichtigen Infos und Topos findet man im Auswahlführer vom Panico Verlag mit dem Titel: „Vorarlberg“ 

Stand. 2021