Rote Wand bei Lech am Arlberg

Der mächtigste Berg und gleichzeitig die zweithöchste Erhebung im Lechquellengebirge bei Lech am Arlberg ist die rote Wand. Fast zwei Kilometer breit und bis zu 400 Meter hoch ist das wuchtige Felsmassiv auf seiner Südseite, das seinen Namen der rötlichen Färbung im oberen Wandteil verdankt. Der Fels ist bis in 2/3 Wandhöhe fest und griffig. Nur der Gipfelaufbau wird von einem teilweise brüchigen Mergelgürtel durchzogen was den absoluten Genuss mancher Route etwas schmälert. Aus diesem Grund ist es z. B. ratsam nach den schweren Seillängen der Route „Zeit des reifen Mondes“ wieder abzuseilen. Bei „Kanaan“ und „Akrobat schöön“ fanden die Erstbegeher eine Möglichkeit den roten Schiefergürtel so zum umgehen, dass sich ein Gipfelaufstieg lohnt.
Alle drei von mir vorgestellten und selbst gekletterten Wege kann man zu den wirklich empfehlenswerten alpinen Sportklettereien im weiten Umkreis zählen. Und das Schöne an der ganzen Sache ist, dass man in dieser Sonnenwand meist allein klettert und die Natur so richtig genießen kann.

Lage:
Ca. 12 Kilometer westlich von Lech und 13 Kilometer ostnordöstlich von Bludenz in Vorarlberg/AUT.

Zufahrt:
Über den Arlberg und den Flexenpaß nach Lech oder von Reute durch`s Lechtal, bzw. über den Bregenzerwald und den Hochtannbergpass nach Lech am Arlberg.
In Lech zweigt man gegenüber dem Hotel „Post“ nach Zug ab und folgt der Straße bis zur Mautstelle.
Zwischen 9.00 Uhr und 15.30 Uhr ist das Befahren der Mautstraße mit dem eigenen Pkw verboten. In dieser zeit muss der öffentliche Wanderbus benutzt werden.
Fährt man mit dem eigenen Pkw auf der Mautstraße weiter, gelangt man nach ca. 5 Km zu einer Gabelung, dort nach rechts der Ausschilderung „Freiburger Hütte/Formarinsee“ (Übernachtungsmöglichkeit) folgen, bis zum Ende der geteerten Straße.
Natürlich kann man die Strecke auch mit dem Fahrrad bewältigen. Fahrzeit der ca. 10 Kilometer rund 1 Stunde bei 300 Meter Höhenunterschied.

Zustieg:
Gleich vom Parkplatz direkt über einen begrünten Rücken gerade hinauf, bis man den Rand einer großen Karrenhochfläche erreicht. Dort befindet sich, etwa in der Mitte, ein plattiger Rücken, der am bequemsten durch die Blockhalden leitet. Zuletzt etwas steiler. Am besten die Rinnen verfolgend, bis unter die Wand.

 

Die Routen:

KANAAN
Gut mit Klemmkeilen und Friends abzusichernde Tour in bestem Fels. Bereits ein Klassiker in diesem Schwierigkeitsgrad an der Roten Wand. Ab der 7. Seillänge beginnen die etwas brüchigen Ausstiegsschrofen.

Schwierigkeitsgrad:
Die Schwierigkeiten belaufen sich auf eine Stelle 6+, meist 6 und 5 bei einer Kletterlänge von 320 Metern, davon 90 Meter Ausstiegsschrofen.

Material:
Alle notwendigen Haken stecken. Zusätzlich sind ein Satz Keile und Friends 1-3 empfehlenswert. Die Route wurde sanft saniert.

Einstieg:
Im rechten Wandteil der Südwand bei einem Riss, welcher sich in Fallinie der markant großen Verschneidung befindet. Links der großen Verschneidung erkennt man einen gelben Ausbruch.

Routenverlauf:
Nach der 2. Seillänge rechts weg über eine Platte und Rampe. Der weitere Verlauf zieht sich immer rechts der markanten Verschneidung.

Abstieg:
Über den Ostgrat (von unten gesehen nach rechts) abklettern zur Schulter
auf der meist ein Steinmann steht. Von hier nach rechts zu einem großen Block. Unter ihm befindet sich die erste Abseilstelle. Nun 1×20 Meter abseilen, dann ein Stück zu Fuß zu einer weiteren Steilstufe die wieder abseilend (25 Meter) überwunden wird.

 

AKROBAT SCHÖÖN
Eine der schönsten Genussklettereien im weiten Umkreis. Meist sehr guter Fels in alpinem Ambiente.

Schwierigkeiten:
7- sowie die original gekletterte Querung der sechsten Seillänge, sonst häufig 6 und 6+. Nur wenige Strecken leichter. Ganz oben im Ausstieg 2 bei einer Kletterstrecke von 440 Metern.

Material:
Alle notwendigen Normal-Haken stecken. Ein ausgewogener Satz Keile und Friends sind empfehlenswert. Standplätze wurden mit Bohrhaken saniert. Jedoch keine “Plaisir-Absicherung”.

Einstieg:
Am Fuß eines auffallenden Pfeilers, der die gelbe Riesenverschneidung links begrenzt; etwa 1 ½ Stunden vom Parkplatz.

Routenverlauf:
Die Führe beginnt bei einer markanten, nach links aufwärts führenden Rampenverschneidung. Danach wird rechts die große Plattenzone auf dem Pfeilerrücken erreicht. An ihr setzt sich die Führe fort. Sie folgt immer dem Weg des geringsten Widerstandes bis zum Pfeilerkopf unterhalb von rotgefärbten Felszonen. Mit kurzem Abstieg in die Südverschneidung wird eine auffallende Plattenrampe erreicht. Sie leitet rechts aufwärts und vermittelt den weiteren Durchstieg. Zum Schluss in einer Rinne zum Gipfel.

Abstieg:
Wie bei Route Kanaan

Tipp:
Ein Hammer zum Nachschlagen von etwas lockeren Zwischenhaken kann nicht schaden.

 

ZEIT DES REIFEN MONDES
Phantastische Verschneidungs- und Risskletterei in bestem Fels. Nach dem Zusammentreffen mit der Route „Don Genaro“ findet der Genuss allerdings durch das brüchige Mergelband ein jähes Ende. Man seile sich deshalb ruhig ungeniert ab.

Schwierigkeiten:
8- eine Stelle , oft 7- und 7. Selten leichter bei einer Kletterlänge von rund 250 Metern.

Material:
Alle notwendigen Haken stecken. Ein ausgewogener Satz Keile und Friends ist empfehlenswert. Eine sanfte Sanierung ist für das Jahr 2011 geplant…

Einstieg:
Unter dem spitzen Hauptgipfel der roten Wand erkennt man schon von weitem zwei plattige Verschneidungen. Durch die rechte, steilere Verschneidung zieht die Route.
Der Weg zur Wand wurde oben schon ausführlich beschrieben.

Routenverlauf:
Die Route zieht durch die auffallende Verschneidung in plattigem Fels gerade hoch.

Abstieg:
Es ist empfehlenswert nach den schwierigen Seillängen über die Route abzuseilen.

Führer:
Alle wichtigen Infos und Topos findet man im Auswahlführer vom Panico Verlag mit dem Titel: „Vorarlberg“ 

Stand 2010