ROUTENINFOS

Gebirge:

Tannheimer Berge

Gipfel:

Gimpel Vorbau, 2050m

Exposition:

Südost

Routen – Baldoplatte:

„Primavera“ – 2 Seillängen: 50m + 45m – Schwierigkeitsvorschlag: 7/7+, 7+

„Mit dem letzten Licht“ – 1 Seillänge: 45m – Schwierigkeitsvorschlag: 9-

„Catwalk“ – 4 Seillängen: 20m, 20m, 25m, 45m – Schwierigkeitsvorschlag: 7+, 7+, 7/7+, 7/7+

Geschichte:

Kurz bevor der Gimpel Normalweg rechts in die Fels durchsetzte Steilflanke abbiegt, erkennt man weit oben eine ca. 45 Meter hohe Kalkplatte mit nur wenig Struktur. Ein paar Grifflöcher könnte man vielleicht  erahnen, mehr aber auch nicht. Den rechten Rand markiert ein nach Regen lange anhaltender Wasserstreifen in zerfressenem Gestein.

Primavera

Bereits 1992 war der Bergführer Bruno Pazzaglia mit Freunden dort oben, um nach kletterbaren Felsstrukturen Ausschau zu halten. Er wurde fündig und kreierte die schöne Route „Primavera“ 8-. Wenig später setzte er im Abseilsitz noch ein paar Bohrhaken in die zentrale Platte und nannte diese Linie „Mit dem letzten Licht“. Man könnte vermuten, dass es beim Einbohren  schnell gehen musste. Denn außer dem Schwierigkeitsgrad 8+ waren bis heute keine weiteren Infos über die Art der Kletterei oder über eine Rotpunktbegehung bekannt geworden.

Weite Bohrhakenabstände

In den vielen Jahren als ich auf dem Weg zum Gimpel an der besagten Platte vorbei lief, hatte ich hier noch nie jemanden klettern sehen. Komisch eigentlich, denn die Routen beginnen direkt neben dem Wanderweg und wären schon aus diesem Grund verlockend. Vielleicht schreckten die etwas weiten Bohrhakenabstände ab. Denn rechts daneben entstand durch den Erschließer Pat Schwarzmann ein schier unerschöpfliches  Angebot von lohnenden und gut gesicherten Plaisierrouten.

Felsqualität

Weil ich mehr oder weniger fast alle Südwandrouten in den Tannheimern kennengelernt hatte, stieg ich dann auch mal in die „Primavera“ ein. Wie vermutet, ist der Fels kompakt, hat aber dennoch ein paar Grifflöcher parat. Eine Felsqualität wie man sie nur selten in den Tannheimern findet. Leider waren die meisten der zum Festhalten notwendigen Vertiefungen mit Lehm gefüllt. Rutschig und feucht an jedem Griff! Endlich am Standplatz angekommen, folgte die zweite Überraschung. An nur einem geklebten Gerüsthaken musste abgeseilt werden. Eine günstige Alternative, wie sie in den 90er Jahren manchmal aus Sparsamkeit eingesetzt wurde. Sicherheitsstandplätze sehen anders aus…

Ein Jahr nach meiner Begehung machte ich mir die Mühe an den Ständen einen zusätzlichen Haken  anzubringen. Zudem putzte ich den feuchten Lehm aus den Grifflöchern. Jetzt ist die Kletterei genussvoll und sicher. Ein Lohn der Arbeit.

„Mit dem letzten Licht“

Die Route „Mit dem letzten Licht“ schaute ich mir natürlich auch an. Laut Führerangaben wurde sie damals beim Abseilen in einer schnellen Aktion eingebohrt. Die Hakenabstände waren jedoch teilweise extrem weit und gefährlich. So hätte ein Griffausbruch gleich am Beginn der Schwierigkeiten zu einem fatalen 20 Meter Sturz ins Schrofen Gelände geführt. Die Folgen unabsehbar… Der dazu angegebene Schwierigkeitsgrad war meiner Meinung nach mit 8+ eher ausgedacht. Denn trotz ausführlicher Recherche fand ich keine Information über eine jemals durchgeführten Rotpunkt-Begehung.

Auch hier entfernte ich Dreck aus allen Löchern und setzte die Standplätze an sichere Positionen. Seit dem gehört die Seillänge zu den besten Platten-Routen die ich in den Tannheimern kenne. Felsqualität und Bewegungsabfolge der Kletterei lassen keine Wünsche mehr offen.

„Catwalk“

Rechts daneben hat der beschrieben Wasserstreifen ganze Arbeit geleistet. Herrlich zerfressener Kalkfels in einer schnurgeraden Linie. Diese Feststellung ermunterte mich eine neue Route von ganz unten bis zum höchsten Punkt der Platte einzurichten. Die „Catwalk“ ist meiner Meinung nach die schönste und homogenste Siebener Tour in den Tannheimer Bergen. Nicht sehr lange, dafür jeder Meter ein Genuss.

Alles in allem hat sich der große Aufwand sicherlich für viele Kletterbegeisterte in den nächsten Jahren gelohnt, auch wenn mir noch ganz zum Schluss das Arbeits-Fixseil in der Wand abgeschnitten wurde. Was (dumme) Menschen wohl bewegt, um so etwas zu machen…???

Name:

„Catwalk“ bedeutet Laufsteg. Die Route startet direkt über dem viel begangenen Normalweg zum Gimpel. An sonnigen Tagen gibt es bestimmt genügend Publikum, die den Kletterern auf ihrem vertikalen Laufsteg zuschauen werden.

Charakter der Kletterei:

Alle vorgestellten Seillängen bieten hervorragend schöne Kletterstellen in ungeahnter Vielfalt.

Absicherung:

Alle Seillängen sind mit Bohrhaken ausgerüstet. In „Primavera“ befinden sich noch die Erstbegeher-Haken aus den 90er Jahren. Meiner Meinung nach sind diese aber in gutem Zustand. „Mit dem letzten Licht“ hat eine Mischung von Haken aus den 90ern und neuen Edelstahl Schwerlastankern. „Catwalk“ ist durchgehend mit neuen Edelstahl Bohrhaken ausgestattet.

Mobile Sicherungsmittel sind nicht erforderlich.

Material:

Mind. 50 Meter Doppelseil, 13 Express Schlingen, Verschlusskarabiner sowie                                  Sicherungs-/Abseilgerät, 2 Bandschlingen und Helm.

Weg zum Einstieg:

Vom Gimpelhaus über den Wanderweg in Richtung Gimpel. An der Abzweigung im Geröllfeld mit dem Schild „Ab hier nur mit Helm“ diesem Weg weiter bis zur Wand folgen. Am roten Pfeil noch ca. 20 Meter links hinauf bis zum Einstieg. Etwas rechts der „Catwalk“ wurde an einem abgespaltenen Felsblock von mir ein Stern angebracht. Der Einstieg von „Primavera“ befindet sich ca. 10 Meter links davon.

Prädikat:

Sehr empfehlenswert!

 Abseilpiste:

Ja

Tipp:

Wer hier alle vorgestellten Seillängen aneinander reiht, hat einen ausgefüllten Klettertag in herrlichem Fels und danach auch noch die Zeit, um auf dem Gimpelhaus einen selbstgebackenen Kuchen zu essen.

Führermaterial:

Im aktuellen Allgäu-Kletterführer vom Panico Verlag ist momentan nur die Route „Primavera“ richtig eingezeichnet.