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Rote Flüh Klettern – Zentralpfeiler

Der Zentralpfeiler wurde in den 70er Jahren als schwierigste Route im Tannheimer Tal gehandelt.

Rote Flüh – Südwand

 

ROUTENINFOS

Gebirge:

Tannheimer Berge

Gipfel:

Rote Flüh, 2111m

Route:

Südwand – „Zentralpfeiler” mit Einstieg über “Welcome to Tijuana”

Länge:

Ca. 300 Klettermeter, 10 Seillängen

Schwierigkeitsgrad:

1.SL 8,   2.SL. 7-,  3. SL 2,  4.SL 7+,  5.SL 8+,  6.SL 7,  7.SL 6+,  8.SL 8,  9.SL 6-,  10.SL 3

Geschichte:

Der Zentralpfeiler wurde in den 70er Jahren als schwierigste Kletterroute in den Tannheimer Bergen gehandelt. Der kompromisslos steile Durchstieg von den drei Tannen bis zum Gipfelkreuz verlangte schon damals ein hohes Freiklettervermögen, welches bis an den 7. Schwierigkeitsgrad heran reichte. Dazu muss man wissen, dass die sechsstellige UIAA-Skala erst viele Jahre später offiziell erweitert wurde. Die mit schweren Lederbergschuhen nicht  frei überwindbaren Passagen wurden mittels Hakenhilfe gemeistert. Das wäre auch heute noch so, hätte man nicht hochspezialisierte Kletterschuhe in Kombination mit extrem leichter Ausrüstung.

Im Zuge einer sinnvollen Sanierungsaktion in den Tannheimer Bergen wurde auch der “Zentralpfeiler” vom Erstbegeher und Bergführer Hermann Reisach unter die Lupe genommen. Dabei entfernte er die in die Jahre gekommenen “Rostgurken” und ersetzte sie durch nicht rostende DAV-Klebehaken. Nun konnten sich Spezialisten der noch  jungen Sportkletterszene aus den 90er Jahren auch an diesem Testpeace gefahrlos versuchen. Doch mehrfach mussten sie enttäuscht feststellen, dass geputzte Sportkletterwege im Tal nicht mit alpinen Routen an teils verwittertem Gestein zu vergleichen sind. Wegen ausbrechender Griffe und Tritte im gelben Fels der Schlüsselseillänge waren oft mehrfache Anläufe notwendig.  Doch von Begehung zu Begehung verbesserte sich die Situation, so dass der  Schwierigkeitsgrad 8+ letztendlich akzeptiert wurde. Doch nicht für immer… Im Jahr 2012 ereignete sich genau an dieser Stelle ein erneuter Felsausbruch, der nicht ungesehen blieb. Schnell kam die Frage auf, ob sich nun die klettertechnischen Schwierigkeiten verändert hatten. Das wollte ich selbst auch wissen, schaffte es aber erst im Jahr 2020 wieder einmal in die Route einzusteigen. Mit einer Bürste säuberte ich die Griffe von losem, teilweise sandigem und splittrigen Gestein. Danach folgte der Rotpunktdurchstieg. Ich denke, der Schwierigkeitsgrad 8+ hat weiterhin bestand. Der Fels ist in der überhängenden Verschneidung sehr fest, so dass nichts mehr ausbrechen dürfte.

Der Zustieg bis zu den “drei Tannen” ist mit max. 5+ um ein Vielfaches leichter als die nachfolgenden Seillängen des “Zentralpfeilers”. Benützt man jedoch den Einstieg der “Welcome to Tijuana”, dann ändert sich die Situation maßgeblich. Die von mir vorgeschlagene Kombination ist homogen und führt in gleichbleibend anspruchsvoller Kletterei direkt zum Gipfel.

Charakter:

Eine eher selten gekletterte Route mit abwechslungsreichen und immer wieder interessanten Kletterpassagen.

Nur ganz wenige Stellen in leichten Passagen weisen etwas brüchigen Fels auf.

Absicherung:

Die Routenkombination ist von unten bis oben sehr gut mit Klebehaken ausgerüstet. Wer alpin im 7. Schwierigkeitsgrad souverän unterwegs ist, der wird  in der gesamten Tour keine unüberwindbaren Stellen antreffen.

Material:

Mind. 50 Meter Doppelseil, 10 Express Schlingen, Sicherungskarabiner sowie Sicherungsgerät, 2 – 3 Bandschlingen und Schuhe für den Abstieg (Abseilpiste in der Südwestwand).

Ein paar kleine und mittlere Camalots/Friends können die ein oder andere Stelle etwas entschärfen.

Weg zum Einstieg:

Vom Gimpelhaus über den bekannten Steig der Kletterer unter der Süd- und anschließenden Südwestwand des Hochwieslers hindurch. An deren Ende überquert man einen kleinen Wasserfall. Wenige Meter danach  befindet sich der  Einstieg zur klassischen “Südostwand Route”, welcher auch von der “Welcome to Tijuana” benutzt wird. Die massiven Edelstahl-Klebehaken sind gut erkennbar.

Route:

Zuerst folgt man ca. 15 Meter der “Südostwand-Route” bis diese nach links abzweigt. Ab hier führt die “Welcome to Tijuana” direkt durch die steile Plattenwand. Klebehaken sind sichtbar und weisen den Weg.

Vom Pfeiler der 2. Seillänge steigt man kurz zur gegenüber liegenden Wand hinunter. Über diese erreicht man in einer weiteren Seillänge die “drei Tannen”. Überhängend startet der eigentliche “Zentralpfeiler” im rechten Verschneidungsgrund. DAV-Klebehaken der ersten Generation markieren den gesamten Routenverlauf.

Prädikat:

Empfehlenswert!

Kletterer die sich im 7. Grad wohl fühlen, werden einen ausgefüllten Klettertag erleben, ohne sich fürchten zu müssen.

 Abstieg:

Anbei eine kurze Beschreibung:

Vom Gipfel der Roten Flüh folgt man dem Weg westwärts in Richtung Friedberger Klettersteig bis zu einer ca. 10 Meter hohen und fast senkrechten Felspassage. Über diese steigt man auf mehreren Stahlstiften in einen Kamingrund ab. Kurz danach weisen rote Markierungspfeile rechts um die Ecke in Richtung Friedberger Klettersteig. Diesen folgt man nicht, sondern klettert direkt über Schrofen und Geröll etwas unangenehm ca. 15 Meter gerade hinunter zur Felskante. Hier findet man die erste große Abseilkette. Mit einem 50 Meter Doppelseil gelangt man in drei Abseilfahrten bequem und schnell zum Wandfuß.

Führermaterial:

Das genaue Topo ist im aktuellen Allgäu-Kletterführer vom Panico Verlag enthalten.

Mit Bergführer auf der sicheren Seite:

Kontakt: HIER

 


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