Neunerplatte Dolomiten Route „Somnium“

Die Südwand der Neunerspitze im Fanesgebirge ist einzigartig in den Dolomiten. Eine fast 400 Meter hohe Kalktafel dieser Art würde man vielleicht im Rätikon oder Alpsteingebiet der Schweizer Berge vermuten. Doch in den sonst so steilen und schroffen Dolomiten ist eine solche Fels Kompaktheit eher  außergewöhnlich. Kein Geringerer als Reinhold Messner versuchte sich bereits in den 1960er Jahren mit ein paar Normalhaken an dieser Mauer. Ein sehr wagemutiges Unternehmen, da der Fels in großen Teilen der Wand keine Risse aufweist. Die Messner Direttissima gehört auch heute noch zu den Dolomiten Klassikern der besonderen Art. Der moralische Anspruch wegen großer Runouts ist geblieben, weswegen die Route verhältnismäßig selten durchstiegen wird. 2018 nutzen drei talentierte und motivierte Südtiroler Kletterer die Absicherung mit Bohrhaken und kreierten eine Plattenkletterei wie sie sonst in den Dolomiten wahrscheinlich kein zweites Mal zu finden ist. Der Routenname „Somnium“ bedeutet so viel wie Traum und ist sehr treffend für den Gesamteindruck dieser großartigen Bergtour.   

 

ROUTENINFOS

Gebirge:

Dolomiten – Fanesgruppe

Gipfel:

Neunerspitze, 2968m

Route:

Südwand „Somnium“

Name:

Somnium bedeutet so viel wie Traum, was sich bestimmt auf die Landschaft, den außergewöhnlichen Dolomitengipfel und die ungewöhnliche Dolomiten Kletterei bezieht.

Erstbegeher:

Kofler Michael, Gietl Manuel, Florian Wenter

Länge:

Ca. 420m, 11 Seillängen

Schwierigkeitsgrad:

4a, 5a, 5c, 5b, 5a, 6a+, 7a, 5b, 6a+, 5b, 2

6b  obl. – als Vorschlag.

Charakteristik:

Für Dolomiten Verhältnisse eine absolut spezielle Plattenkletterei wie man sie sonst nur in den Schweizer Alpen, z. B. im Rätikon, vorfindet. Bis auf die Schlüsselstelle ist die Route wenig Kraft raubend. Verlangt wird gute Stehtechnik in teils glatt gewaschenem Fels.

Die anfänglich flache Kalk Platte steilt sich im Mittelteil stark auf und wird zum Ende hin wieder etwas flacher.

Absicherung:

Die gesamte Tour ist ausreichend mit Schwerlastanker abgesichert. In den schönen Verschneidungsseillängen können mittlere Friends/Camalots eingesetzt werden. Ist aber nicht unbedingt notwendig.

Tipp:

Nur bei trockenen Verhältnissen und guten Sichtbedingungen (kein Nebel) einsteigen.

Talort:

St. Vigil in Südtirol – Berggasthaus Pedrü

Anfahrt:

Im Pustertal Richtung Bruneck. Bei St. Lorenzen rechts ins Gadertal nach Zwischenwasser. Im Ort links abbiegen nach St. Vigil. Von hier mit dem Auto/Postbus ins Rautal zum Bergasthaus Pederü, 1548m. Großer Parkplatz.

Zustieg:

Vom Parkplatz nach rechts dem gut ausgebauten Schotterweg zur Fanes Hütte bzw. Lavarella Hütte folgen.

Zu Fuß ca. 2 Std. Mit dem Mountainbike ohne E-Motor ca. 1,15 Std. Strecke zur Hütte: ca. 9 Kilometer.

Von der Lavarella Hütte dem Weg Nr. 13 folgen. Nach ca. 20 Min taucht die Südwand der Neunerspitze auf. Dort wo der Weg Nr. 13 scharf links abbiegt, geht es unwegsam durch Wiesen und Karstgelände direkt unter die Wand.

Von der Lavarella Hütte bis zum Einstieg nochmals  ca. 1,5 – 2 Std.

Abstiege von der Neunerspitze:

Abseilen über die Route:

Eine Abseilpiste über die Route ist nicht eingerichtet und wenig sinnvoll. Es gibt Quergänge und Bänder, die mit vielen Gesteinsbrocken belegt sind. Hohe Steinschlaggefahr!

Abseilpiste im Abstiegssinne links vom Gipfel:

Vom Gipfelkreuz auf Steigspuren Richtung Südosten zur Südwand absteigen (Steinmänner). Nach ca. 250m erreicht man eine schrofige Steilrinne mit sichtbaren Trittspuren. Diese verfolgt man ca. 70m in sehr brüchigem Gelände bis zum ersten Abseilstand (BH). Der zweite Abseilstand befindet sich ins Tal schauend rechts an gelbem Fels (BH). Der dritte Abseilstand ist direkt auf einem Felskopf mit einigen Schlingen und BH. Hier geht es nochmals von oben schauend links abseilend bis zum Ende der Felswand.

Über Steigspuren erreicht man den Aufstiegsweg zur Südwand und ggf. das Rucksackdepot.

Auf Grund der erhöhten Steinschlaggefahr und des Seilverhängens kann ich persönlich diese Abseilpiste nicht empfehlen.

 Normalweg in Richtung Antoniusjoch, 2244m:

Die wahrscheinlich beste und sicherste Option ist der Abstieg nach Osten zum Antoniusjoch und von da weiter zur Lavarella Hütte. Viele Trittspuren und Stahlseile an abschüssigen Passagen weisen den Weg.

Wichtig:

Wer sich für den Normalweg entscheidet, kommt nicht mehr am Einstieg vorbei. Somit sollte man bereits mit wenig Gepäck an der Hütte los gehen, weil es mit durch die Wand muss.

Prädikat:

Sehr empfehlenswerte Route mit ganzheitlichem Charakter einer langen Tour.

Info:

Bei Nebel kann das Zurechtfinden in der großflächigen Karstlandschaft rund um die Südwand der Neunerspitze zum großen Problem werden.