Erstbegehungsprojekt am Bhagirati III

Der heilige Berg:

Der Bhagirathi III, auch „Göttin des Himmelsstromes“ genannt, gehört zu den heiligsten Bergen Indiens. An seinem Fuße entspringt der Fluss Ganges. Die ca. 1600 Meter hohe Westwand mit seinen markanten Stützpfeilern gehört zu den eindrucksvollsten Felswänden des gesamten Himalayagebirges. Auf den Gipfel selbst gibt es keine einfache Route, was dem Mythos eines heiligen Berges noch mehr Eindruck verleiht. Die „leichtesten Wege“ sind der Nordgrat und der Südostgrat.

Die Routen:

Unser Projekt 2001:

Erstbegehungsversuch des direkten Südwestpfeilers vom Westwandbecken aus, im Rotpunktstil (ohne technische Fortbewegungsmittel)

Den etwa 1800 m hohen Pfeiler auf der rechten Seite, konnten die Schotten Bob BARTON und Allan FYFFE 1982 im dritten ernsthaften Versuch bezwingen. Sie benötigten 10 1/2 Tage. Die Schwierigkeiten für die rund 40 Seillängen bewerteten sie mit V-VI/A2 im unteren Teil, und schwieriger Mixtkletterei im oberen Teil. Trotz des relativ leichten Zugangs, wurde die Route in den 19 Jahren seit der Erstbegehung nur 5 mal erfolgreich bis zu Gipfel bestiegen. Dies ist sicherlich ein eindrucksvoller Beweis der extremen Schwierigkeit und Länge.
Trotz der hervorrangenden Qualität des Gesteins und der Eleganz der Kletterei hat die „Schottenroute“ zwei Schönheitsfehler. Auf den ersten 1000 Klettermetern bewegt sich die Route nur sehr selten am eigentlichen, markant ausgeprägten Südwestpfeiler. Die Kompaktheit und Steilheit an der eigentlichen Kante schreckte bisher jeden Kletteraspiranten ab. Das zweite Manko der vorhandenen Route ist, wie bei so vielen Himalaya-Klettereien, die technische Überwindung von Passagen über dem VI. Schwierigkeitsgrad.

Unser Projekt 2004:
Die Vollendung des Erstbegehungsversuches vom Jahr 2001. Im Alpinstil wollen wir den noch unbestiegenen direkten Südwestpfeiler im Rotpunktstil (ohne technische Fortbewegungsmittel) erklettern.

 

Bestehende Routen an den zwei Pfeilern bis zum Jahr 2004:

 Der Südwestpfeiler (Schottenpfeiler von 1983), VI/A2
Die Route verläuft meist weit rechts der eigentlichen Pfeilerkante über ein Riss- und Rampensystem. Im oberen, kombinierten Teil, ist sie fast identisch mit der eingezeichneten Route. In den über 20 Jahren seit der Erstbegehung wurde sie vermutlich sechs mal erfolgreich durchstiegen.

Der Westpfeiler (Katalanenpfeiler „Impossibile Star“ von 1984), VI/A3
Der Katalanenpfeiler begrenzt die Westwand in ihrem linken Teil. Die Route wurde 1984 von 4 Spaniern in 11-tägiger Kletterei erstbegangen. Sie berichteten von schwierigen Granitrissen auf den ersten 900 Metern in meist gutem Fels. Danach folgte teilweise extrem brüchiges Gelände bis zum Gipfelgrat. Die vermutlich 4. Begehung gelang einem Team aus der Schweiz und Rainer Treppte (aus unserem Team von 2001) im Herbst 2003. Insgesamt verbrachten sie 18 Tage am Pfeiler bis sie den Gipfel erreichten.

 

Bestehende Routen durch die Westwand

Jugoslawenroute VIII/A3 (85 Grad im Eis)
Die Route wurde 1990 nach einem Versuch von 1989 von zwei Spitzenalpinisten im Alpinstil begangen. Sie benötigten nach Vorarbeiten 6 Tage zum Gipfel.

Russenroute VI+/A3
1998 belagerte ein mehrköpfiges Russisches Expeditionsteam fast 2 Monate die Westwand. Viele Schlechtwetterpassagen wurden in Hängebiwaks „ausgesessen“. Auch sie mussten wie zuvor die Jugoslawen, vor dem schwarzen und extrem brüchigen Felsriegel am Ende der Westwand, nach rechts zum „Schottenpfeiler“ hinausqueren. Man vermutet, dass die Route in längeren Passagen identisch mit der Jugoslawenroute ist.

Beide Linien durch die Westwand gelten als extrem schwer und äußerst gefährlich.

 

Bestehende Routen auf der Rückseite des Berges

Südostgrat
Weg der Erstbesteiger – lang und brüchig, einige Stellen im V. Schwierigkeitsgrad

Nordgrat
Der Normalweg – nur bei genügend Altschneeauflage empfehlenswert (Vormonsun), ansonsten sehr große Steinschlaggefahr