Rote Flüh „Niemandsland“

Fixseil 
Viele Jahre hing ein Fix-Seil im westlichsten Teil der Roten Flüh Südwand. Niemand wusste von wem es ist. Trotz vieler Fragen blieb die Antwort offen.

Mit Lehm gefüllte Griffe
Nach dem ich die Routen „Sturm im Paradies“ 8+ und „Im Westen nichts Neues“ 8- fertig gestellt hatte, versuchte ich mich mit Michael Gunsilius an der mehrere Jahre alten „Fixseil-Linie“. Der Fels erschien in der ersten Seillänge recht gut, nur in manchen Passagen etwas splittrig und brüchig. Im Riss der darauffolgenden Länge erschwerten einige mit Lehm gefüllte Griffe das Weiterkommen. Die dritte Länge brachte aber dann, trotz dicken Armen, „Genuss pur“. Meiner Meinung nach einer der besten Seillängen der Tannheimer im Grad 8-.

Ein herausforderndes Projekt
So machte ich mich auf, um die 3 Seillängen Route in einen für Kletterer lohnenden Zustand zu bringen. Mit der Drahtbürste wurden Griffe und Risse gesäubert. Stände mit nur einem Bohrhaken wurden durch einen zweiten ersetzt. Und der ein oder andere Zwischenhaken musste leicht umgebohrt werden.
Doch das war nur die Vorbereitung, denn die Route selbst stellte sich als herausforderndes Projekt dar. Gerade die Schlüsselstelle ist sehr kleingriffig und verlangt einen komplexen Bewegungsablauf. Danach ist man noch lange nicht am Stand. Denn weitere Passagen fordern etwas Feingespür für kleine Griffe und Tritte (zumindest bei meinen großen Händen und Füßen…).
Der Riss in der zweiten Seillänge ist kurz, aber knackig. Die dritte Seillänge bietet zum Abschluss tolle Kletterei in Wasser zerfressenem Fels mit einigen interessanten Kletterstellen.

Niemandsland
Der Name „Niemandsland“ steht für das Projekt von dem niemand wusste wer es eingebohrt hat und warum es nie zu Ende geführt wurde.
Erst Wochen nach meiner Fertigstellung bekam ich eine E-Mail vom hervorragenden Kletterer Andreas Lind aus Marktoberdorf, der sich als Initiator dieser Linie zu erkennen gab. Aus privaten Gründen konnte er es damals nicht fortführen und lies das Seil hängen.

Als zweite Tour am Nachmittag
„Niemandsland“ endet nach drei Seillängen auf einem Pfeilerkopf, eingerahmt von den Routen „Sturm im Paradies“ rechts und „Im Westen nichts Neues“ links. Die Fortführung dieser Linie, gerade hinauf über möglicherweise kletterbare Überhänge wollte sich Andreas Lind noch offen halten.

Gerade als zweite Route am Nachmittag bietet sich „Niemandsland“ hervorragend an und darf dennoch nicht wegen der Kürze unterschätzt werden. In allen der drei Seillängen muss man ganz schön zupacken…