Ama Dablam Expedition mit Videoclip

Ama Dablam – Der verkaufte Berg

Einer der schönsten Berge der Erde

Die Ama Dablam (6814 m) gehört zweifelsohne zu den schönsten Bergen der Erde. Nicht umsonst wird er oft als „Matterhorn von Nepal“ bezeichnet“. Folgt man der bekanntesten Trekkingroute der Welt, dem Weg zum Mt. Everest Basecamp, entdeckt man die Ama Dablam erstmals auf einer Anhöhe über dem Sherpa Dorf Namche Bazar. Ein wahrhaft einzigartiger Anblick, der unvergesslich bleibt. Schnell erwacht der Traum diesen wunderschönen Berg einmal besteigen zu wollen. 

Edmund Hilary zweifelte an einer machbaren Route

Im Jahr 1961 wurde der bis dahin unkletterbar gehaltene Berg von einer internationalen Expeditionsgruppe unter der Leitung von Edmund Hillary (Erstbesteiger des Mt. Everest) in Augenschein genommen. Eigentlich war das Alpinisten Team im Solo Khumbu Gebiet unterwegs, um die Zweitbegehung am schwierigen Achttausender Makalu zu realisieren. Der Gipfel der Ama Dablam, für den sie kein Permit besaßen, bot sich jedoch hervorragend für Trainingszwecke an. Schließlich lag er genau am Weg ins Makalu Basecamp. Doch selbst Hillary zweifelte daran, ob es  an diesem spitzen Berg überhaupt eine machbare Route gibt. Zu steil und zu abweisend sahen die Grate aus. In den Wänden kalbten unregelmäßig die großen Hängegletscher und drohten mit Eis- und Steinschlag.

Südwestgrat

Nach langen Erkundungen waren sich die leistungsfähigsten Teammitglieder der Makalu Gruppe einig, dass im Winter wenn alles noch gefroren ist, der Südwestgrat am sichersten erscheint. Die Kletterschwierigkeiten sahen bewältigbar aus. Also wurden drei Wochen lang an allen kritischen Passagen 500 Meter Fixseil verlegt. Das war notwendig, um einen schnellen Rückzug bei Schlechtwetter oder Krankheit gewährleisten zu können.

Im letzten Lager auf 6500m angekommen, konnte die Gipfelwand gut eingesehen werden. Es gab kein großes Hindernis mehr, welches die Kletterer hätte stoppen können. Am 13. März 1961  erreichten Michael Ward (GB), Wally Romanes und Michael Gill (NZ), sowie Barry Bishop bei minus 30 Grad den Gipfel und genossen die geniale Aussicht zu ihrem nächsten Ziel, dem Makalu.

Nachspiel

Weil die Expeditionsgruppe eigentlich zu einem Achttausender unterwegs war, besaß sie kein Permit für die Ama Dablam. Die Alpinisten kletterten illegal am „Matterhorn von Nepal“. Das sprach sich unten in den Sherpa Dörfern schnell herum, was wiederum die Polizei veranlasste die Staatsregeln durchzusetzen. Es kam wie es kommen musste, im Basislager wurden die „Schwarz-Bergsteiger“ nach ihrer Gipfelfeier abgeführt. Mehrere Tage saßen sie in einer kleinen Polizeistation, bis der Expeditionsleiter, Edmund Hillary seine Beziehung zur nepalesischen Regierung einsetzte, um die Teammitglieder frei zu kaufen. Somit wurde der Ama Dablam Erfolg nachträglich von offizieller Stelle anerkannt und bestätigt.

Erstbesteigung im Winter

Die Erstbesteigung der Ama Dablam war eine der wenigen erfolgreichen Winterexpeditionen im Himalaja bis dahin. Allein das war schon Erfolg genug. Doch als Krönung wurde der Südwestgrat von internationalen Alpinisten als schönste und schwierigste Kletterroute an einem Weltberg über 6000 Meter auserkoren. Die ultimative Magic Line an einem der formschönsten Gipfel überhaupt.

Gute Erreichbarkeit und schönes Basislager

Die gute Erreichbarkeit des herrlich gelegenen Basislagers auf 4200 m rief nun andere Expeditionsgruppen auf den Plan. Denn die Ama Dablam war jetzt im Fokus der Spitzenbergsteiger. Alpinisten aus der ganzen Welt wiederholten den Südwestgrat oder eröffneten weitere, zum Teil extrem schwierige und gefährliche Kletterwege. Doch keine der neuen Linien war so schön und abwechslungsreich wie die der Erstbegeher.

Die Geschäftsidee Ama Dablam

Dass in den Alpen mit berühmten Bergen wie z.B. Matterhorn, Eiger oder Montblanc viel Geld verdient werden kann, sprach sich auch in Nepal herum. Eine gute Infrastruktur mit Bergbahnen, Hütten und Fixseilen auf den Normalwegen, lockt nicht nur Alpinisten, sondern auch zahlende Touristen. Die Flugverbindung von Kathmandu zum Bergsteigerort Lukla wurde ausgebaut. Der Everest Treck existierte sowieso, was den Weg zum Ama Dablam Basislager erleichtert. Ab Mitte der 1980er Jahre begann man dann mit der Installation einer 1500 Meter langen Fixseilstrecke, die sich über den gesamten Südwestgrat, von Lager 1 bis zum Gipfel erstreckt.

Seit dem lockt der Berg immer mehr Outdoor Touristen mit geringen technischen Fähigkeiten für Fels und Eis. Die zusätzliche Unterstützung durch Climbing-Sherpas verspricht höhere Gipfelchancen. Eine Art von Klettersteigbegehung mit Bergführer wie man es z.B. am Matterhorn oder am Mt. Everest schon viele Jahre erfolgreich praktiziert. 

1500 Meter Fixseil löst Massenansturm aus

In den Kletterperioden  April/Mai (Vormonsun) und Oktober/November (Nachmonsun) wird von professionellen Climbing-Sherpas die eineinhalb Kilometer lange Schnur verlegt. Sie beginnt auf 5600m, noch vor Lager 1 und führt bis zum Gipfel. Das Problem ist nur, dass im oberen Gratabschnitt die alten Fixseile nicht mehr entfernt werden und jährlich neue hinzu kommen. In „Stoßzeiten“ hängen somit 10 Bergsteiger mit schweren Rucksäcken (10 x 100 Kg = 1000 Kg) gleichzeitig an einem alten Seil, von dem keiner genau weiß wie es oben befestigt ist. Manchmal sind Seilreste nur eingefroren oder wie selbst gesehen, an einem einzigen Schlaghaken befestigt. Das  Risiko ist immens hoch, weil man dieses von unten kommend nicht einschätzen kann. Alle Bergsteiger am Südwestgrat gehen davon aus, dass professionelle Climbing-Sherpas auch professionell versichern. Leider haben tödliche Unfälle schon das Gegenteil bewiesen.

Grundsätzlich wäre es kein Problem die Fixseile mit Bohrhaken in festem Fels zu verankern und somit jahrelang für Sicherheit zu sorgen, doch das interessiert in der nepalesischen Regierung leider   keinen. Die Hauptsache: „der Rubel rollt“.

Absturz eines Deutschen Bergführers wegen Seilriss

Bericht

28 Expeditionsgruppen innerhalb 3 Wochen

In der Nachmonsunzeit 2019 waren laut Tourismus Ministerium 28 Expeditionsgruppen für die Ama Dablam angemeldet. Ohne Climbing-Sherpas ging ich nach meinen Schätzungen im Basislager von ca. 150 ausländischen Kletterern aus. Jeder Südwestgrat-Aspirant zahlt zusätzlich zum Permit nochmals 138,- Euro für die Installation der Fixseile. Das Geld wurde in unserem Fall in Kathmandu bar an einen Mittelsmann übergeben. Es ist nicht nachvollziehbar in welche Kanäle die Gebühr wirklich floss… Bei ca. 150 Ama Dablam Aspiranten sind das rund 20700 Euro. Ein guter Verdienst, bei dem auch eine Akku Bohrmaschine und ein paar Edelstahl Bohrhaken finanzierbar sein müssten.

Basislager Komfort

Das Ama Dablam Basislager befindet sich auf einer herrlichen Bergwiese in 4600 m Höhe, mit direktem Blick auf die Route. Ein kleiner Bach sorgt für fließend Wasser. Geht man von der Hochfläche 10 Minuten talwärts, erreicht man eine Anhöhe mit Sicht auf den Ort Periche. Ab hier hat man hervorragenden Internet Kontakt, sofern man sich zuvor in Kathmandu eine nepalesische Sim Karte (N Cell) besorgt hat. Für den aktuellen Wetterbericht, die Infos von zu Hause und das tägliche Posting in den sozialen Netzwerken ist gesorgt. Der Zeltplatz bietet viel Raum und ist absolut eben. Die größten Agenturen sichern sich bereits vor Beginn der Expeditionsperiode die besten Reviere und zäunen diese fein säuberlich mit Kletterseilen ein. Das Verpflegungszelt wird bei den exklusiven Anbietern innen mit einem Kunstrasen ausgelegt. Für kuschelige Wärme sorgen Heizstrahler, die mit Gas betrieben sind. Die Handy Akkus und Lichterketten speist ein ständig lärmender Diesel Aggregat am Rande der jeweiligen Zeltplätze.

Hubschrauber Landeplatz im Bascamp

Wer sich den rund drei Tage langen Anmarsch von Lukla bis ins Basecamp ersparen möchte, der reist vorakklimatisiert und absolut bequem mit dem Hubschrauber an. Während unseres dreiwöchigen Basislager Aufenthaltes im Oktober/November 2019 zählten wir an einem Tag zwölf Landungen und zwölf Starts von Hubschraubern. Das war Rekord. Es ging um den Transport von Bascamp Besuchern,  An- und Abreise von Bergsteigern,  Material- und Verpflegungsbeförderung, sowie Rettungen und „Abholungen vom Berg“ über 6000 Meter.

Hubschrauber Rettung

Im Gebiet des Solo Khumbu (Mt. Everest Gebiet) gibt es mehrere große Helikopter Unternehmen, die von Sachgütern bis Menschen alles transportieren, sofern gut bezahlt wird. Alle Hubschrauber sind hervorragend ausgestattet, die Piloten Spezialisten im Gebirge. Die besten Maschinen fliegen bis zum Gipfel der Ama Dablam. Das war auch mehrfach nötig, weil fast täglich Rettungsrufe über Sat-Telefon vom Berg nach Lukla (Helikopter Standort) gesendet wurden. Bei wirklichen Notfällen (Erfrierungen, Höhenkrankheit) eine lebensrettende Maßnahme. Denn trotz Fixseile darf man den Berg an der 7000 Meter Grenze nicht unterschätzen. Auch mich erwischte es nachts um 4.00 Uhr auf 6500 Meter bei minus 30 Grad mit Erfrierungserscheinungen an den Füßen und schwerwiegenden Rückenproblemen. Absteigen musste ich mit Unterstützung meines Partners dennoch, weil eine Hubschrauber Rettung bei Dunkelheit nicht in Frage kommt. Andere Bergsteiger hatten auf Grund von Höhenkrankheit oder Erschöpfung noch kritischere Situationen zu durchstehen. Glücklicherweise konnten alle mit der „Longline“ (spezielle Rettungsmethode) vom Berg geholt werden. Ein Dank an die professionelle Hubschrauber Crew.

Dass es aber auch Gipfelaspiranten gab, die den Notfall nur vortäuschten, musste ich fassungslos mit ansehen. Nur weil keine Lust mehr für Auf- oder Abstieg bestand, sandten sie den Hilferuf über Sat-Telefon. Kritische Anflüge des Hubschraubers am Südwestgrat bei Extremkälte und  erschwerten Windbedingungen gehörten zur Tagesordnung. Im Basislager gelandet, sprangen die Bergsteiger dann recht fidel herum und baten den Piloten um ein gemeinsames Selfie Foto. Es wäre doch eine tolle Instagram Story. Die Flugkosten incl. Rettung würde sicherlich die Auslandskrankenversicherung übernehmen. Solche Verhaltensweisen kannte ich bisher nur vom Hörensagen. Doch nun sah ich die Auswüchse des kommerziellen Expeditionstourismus mit eigenen Augen.

Hochlager 1

Das Hochlager 1 befindet sich genau am Beginn des Grates auf ca. 5800 Meter Höhe. Der Weg dorthin ist einfach. Nur zum Schluss erschweren meist vereiste Felsplatten den Aufstieg. Dafür hängt ein Fixseil. Das Camp besteht aus Terrassen auf denen rund 30 Zelte Platz finden. Diese waren bei unserer Besteigung sofort belegt. Wer keinen Unterschlupf findet, muss sein Lager 150 Höhenmeter tiefer aufschlagen. Fließend Wasser ist nicht vorhanden, meistens jedoch Schnee zum Kochen.

Vom Basislager bis Lager 1 benötigt man zwischen 5 – 7 Stunden.

Hochlager 2

Hochlager 2 befindet sich am sogenannten „Yellow Tower“ auf ca. 6200 Meter. Einer der spektakulärsten Zeltplätze für kommerzielle Himalaja Touren.

Eigentlich könnte man meinen, dass 400 Höhenmeter über Lager 1 nicht schon wieder ein Zelt aufgeschlagen werden muss. Doch weniger der Höhenunterschied sind ausschlaggebend, sondern die Grat Länge und dessen Schwierigkeit. Viele Felstürme müssen über- oder umklettert werden. Zudem ist oft großer Betrieb an der Fixseil Strecke. Wer spät dran ist, steht schnell eine Stunde oder länger im Stau. Kaum vorstellbar aber wahr. Das Lager 2 hat auf jeden Fall seine Berechtigung.

Auf dem „Yellow Tower“ angekommen, stellt man erschrocken fest wie schief die Zelte, halb in der Luft hängend, hier oben stehen. Eigentlich sind es nur 10 – 12, die von den großen Agenturen vor Beginn der Expeditionszeit zusammen mit den Fixseilen installiert wurden. Mehr Platz gibt es nicht. Deshalb müssen sich die kleinen Expeditionsveranstalter mit ihren Kunden im Basecamp in die Hochlagerzelte pro Nacht einmieten. Somit ist genau vorgegeben, wer wann und wo in Lager 2 schlafen darf und wer nicht. Als Teilnehmer einer großen und teuren Agentur hat man also bessere Chancen in Schönwetter Zeiten einen Schlafplatz zu ergattern. Persönlich zählte ich nachmittags rund 40 Bergsteiger die auf gut Glück zu Lager 2 kletterten und oben um die 20 Schlafplätze stritten.

Hitzige Diskussion auf 6200m

Nachts gegen 20 Uhr kamen Leute vom Gipfel und wollten todmüde in ihre Zelte. Doch diese waren bereits mit Gipfelaspiranten, die von Lager 1 aufgestiegen waren, besetzt. Die Diskussion wurde bei -25° Grad auf einem ausgesetzten Felsturm in 6200 Meter sehr aufgeheizt geführt. Umstände, wie im wilden Westen.

Von Lager 1 bis Lager 2 benötigt man zwischen 4 – 6 Stunden.

Weg zum Gipfel

Der Startschuss in Richtung Gipfel fällt gegen 24 Uhr bei  Temperaturen, die im Herbst an die – 30° Grad heranreichen. Eine Kälte wie sie in der Frühjahrssaison am Mt. Everest nur selten unterschritten wird. Bereits ab dem Hochlagerzelt hängt man sich in die Fixseile ein und hofft, dass nur wenige Gipfelaspiranten auf dem Weg sind. Denn das gleiche Spiel wie tags zuvor spielt sich auch jetzt ab. Man wartet bis man weiterklettern darf. Zusätzlich ist mit Eisschlag durch voraus kletternde Bergsteiger zu rechnen. Eine Gefahr, die unberechenbar ist, weil man im kleinen Lichtkegel seiner Stirnlampe nur wenig erkennt.

Die Route zum Gipfel schlängelt sich dem leichtesten Weg folgend steil nach oben. Schwierige Fels- und Eistürme werden geschickt umgangen. Eine geniale Linie der Erstbegeher, wären da nicht die Kletterer vor und hinter einem. Alle am Fixseil, das jetzt nur noch mit Schneeankern befestigt ist.

Von Lager 2 bis zum Gipfel benötigt man zwischen 7 – 9 Stunden.

Lager 3

Das ehemalige Lager 3 (6500m) liegt auf einem Eisbalkon und wird heutzutage fast nicht mehr bezogen. Zum Einem ist es sehr windig und kalt und zum Anderen gab es vor Jahren oberhalb einen Serac Abbruch, der drei Zelte mit Insassen zu Tal fegte. Ein großes Unglück, das durch die Presse ging. Aus diesem Grund versuchen die Climbing-Sherpas mit ihren Kunden in einem Zug von Lager 2 bis zum Gipfel aufzusteigen. Der Abstieg erfolgt dann bis Lager 1, so dass das prekäre Platzproblem am „Yellow Tower“ vermieden wird.

Von 6500m bis zum Gipfel auf 6858m benötigt man ca. 2 – 3 Stunden. Die Route verläuft durchgehend im Schnee und folgt zuletzt einem Firngrat bis zum höchsten Punkt  

Unfall Lager 3

Am 13. November 2006 werden 6 Bergsteiger im Lager 3 am Südwestgrat auf ca. 6500m Höhe von einer Lawine mit ihren Zelten in die Tiefe gerissen. Bis zu diesem Zeitpunkt galt der Zeltplatz als sicher. Kleine Eisabbrüche vom oberen Serac wurden immer seitlich in die Wand geleitet. Doch am Unglückstag war die Schneemenge so groß, dass diese direkt das besetzte Lager 3 überspülte.

Lawinenunfall in Gipfelflanke

Bericht 1 

Bericht 2

Abstieg vom Gipfel

Der Abstieg erfolgt teils abseilend auf der Linie des Aufstiegsweges. An den Fixseilen entlang geht es zurück ins Lager 2 und nach einer Pause zu Lager 1. Schnelle und konditionsstarke Bergsteiger erreichen sogar das Basislager.

Schwierigkeit

Die technischen Anforderungen am Ama Dablam Südwestgrat (Normalroute) sind mit einem winterlichen Klettersteig im Schwierigkeitsgrad A-C und am „Yellow Tower“ mit D zu vergleichen. Von Lager 1 bis Lager 2 benötigt man normalerweise keine Steigeisen und keine Eisgeräte.

Von Lager 2 bis zum Gipfel sind Steigeisen unerlässlich, Eisgeräte/Pickel aber schon. Man zieht sich durchgehend mit einem Jümar am Fixseil nach oben.

Wäre die Hilfsschnur nicht installiert, müsste man am „Yellow Tower“ Felsschwierigkeiten im Bereich des 5.– 6. UIAA Grades überwinden. Von Lager 2 bis zum Gipfel hätte man über längere Strecken Mixed-Schwierigkeiten (Eis/Fels) im 4. und 5. Grad zu bewältigen. Bei Neuschnee noch anspruchsvoller. Und das in einer Höhe zwischen 6000 Meter und 6800 Meter. Die Temperaturen reichen nachts locker an die minus 30 Grad heran.

Konditionell sind die Anforderungen als sehr hoch zu bezeichnen. Das Zusammenwirken von Kälte, wenig Flüssigkeit, wenig Nahrung und schlechtem Schlaf, fordert physische wie psychische Stressresistenz über länger Zeit. Daran scheitern viele.

Unfall beim Abstieg wegen Kälte und Überanstrengung

Bericht

Schlafplatz im Lager 2

Nachdem ich wegen der oben beschriebenen Probleme ca. 250 Meter unter dem Gipfel mit Hilfe meines Partners umdrehen musste, wollten wir Tage später einen zweiten Versuch wagen. Es ging mir gut, wir waren ausgeruht und hoch motiviert. Das Problem war aber jetzt, dass auf Grund des großen Andranges am Berg keinen Schlafplatz im Lager 2 mehr zu ergattern war. Die Route war mehr oder weniger ausgebucht. Eine Überraschung,  mit der wir niemals gerechnet hätten. Gerade wegen der Unwägbarkeiten von Schlechtwetter oder Krankheit wählten wir den Expeditionszeitraum sehr großräumig. Denn ein zweiter Versuch sollte auf jeden Fall möglich sein, so die Idee. Doch die Rechnung ging nun nicht auf.

Von Lager 1 zum Gipfel und zurück

Die Möglichkeit direkt vom Lager 1 zum Gipfel aufzubrechen und am selben Tag dahin wieder zurück zu gelangen, hatten wir natürlich auch in Betracht gezogen. Doch der Weg ist sehr weit und wir mussten befürchten, dass ab Lager 2 alle dort übernachteten Gipfelaspiranten vor uns wären und wir möglicherweise bei – 30 Grad im Stau ständen. Das kannten wir bereits und ist nicht empfehlenswert.

Ein Ausweichziel in der Nähe des Basecamp

Weil wir an der Ama Dablam nicht mehr klettern durften, suchten wir uns einen anderen Sechstausender im gleichen Gebiet aus, den wir evtl. in einem langen Tag vom selben Basislager hätten besteigen können. Doch auch das wurde uns unter Strafe verboten. Es gäbe keine weiteren Permits für in der Nähe liegende Gipfel. Sollten wir dennoch unerlaubt klettern, hätten wir mit ernst zunehmenden Konsequenzen zu rechnen. Da ich im Gegensatz zu Edmund Hillary keine Beziehungen zur nepalesischen Regierung vorweisen konnte, verwarfen wir auch Plan B.

Liason Officer

Im Permit für die Ama Dablam ist auch ein Liason Officer (Begleit-Offizier) der nepalesischen Regierung enthalten. Er hat die Aufgabe die Expeditionsgruppe zu unterstützen. Für seine Leistungen zahlt man rund 1000 Euro. Wir hätten ihn in der Organisation eines Schlafplatzes für Lager 2 gebraucht oder eben für die Ausstellung einen vorläufigen Permits für einen anderen Gipfel. Doch der uns zugewiesene Liason Officer erschien während des dreiwöchigen Bascamp Aufenthaltes genau 10 Minuten, machte ein Beweis Foto und verschwand dann wieder im Tal. Beim Re-Briefing im Tourismusministerium Kathmandu darauf angesprochen, teilte man uns mit, dass das ab und zu passieren könne. Man wolle in Zukunft besser darauf achten.

Grundsätzlich bezahlt jedes Expeditionsmitglied den Liason Officer mit Erhalt des Permits. Es ist jedoch für die großen Agenturen wenig wünschenswert, dass dieser auch im Basislager erscheint. Denn die Politik am Berg machen die großen Expeditions-Veranstalter. Und die möchten sich ungerne  reinreden lassen, so meine Vermutung.

Installation der Fixseile

Im Herbst 2019 wurden die Fixseile von den Climbing-Sherpas zwischen dem 10. und 12. Oktober angebracht.

Hochsaison im Nachmonsun

Die meisten Bergsteiger befanden sich zwischen dem 15. Oktober und dem 10. November im Basislager. Laut Tourismusministerium waren 28 Expeditionsgruppen angemeldet. Mit den Climbing-Sherpas gehe ich von mind. 250 Gipfelaspiranten während dem von mir genannten Zeitraum aus.

Ab dem 10. November lässt der Andrang im Basislager sichtbar nach. Natürlich besteht die Möglichkeit an der Ama Dablam auch Mitte November zu klettern. Doch der Winter steht vor der Türe, weshalb unerwartete Wetterumschwünge mit starken Schneefällen auftauchen können.

Die bisherige Krönung des Bergtourismus

Im November 2019 lässt eine Kuwaitische Expeditionsgruppe von mit Zuhilfenahme von Sherpas und Hubschrauber am 6856m hohen Gipfel eine 150 Meter lange und 30 Meter breite Nationalflagge ausbreiten. Die Flagge selbst wog 150 Kilogramm und wurde in Teilstücken auf den Berg gebracht.

Bericht

Andere Routen am Berg

Wie bereits eingangs erwähnt, gibt es einige andere Routen an der Ama Dablam. Nur am Nordgrat waren bis jetzt wenige Wiederholungen zu verzeichnen. Alle anderen Kletterwege sind nur ein bis zweimal begangen und gehören zu den großen Linien im Himalaja. Ausnahmslos sind dies sehr anspruchsvoll, objektiv gefährlich und ohne installierte Fixseile.

Tragischer Erstbegehungsversuch in der Nordwand

 Bericht

Resümee

Die Ama Dablam bleibt weiterhin einer der schönsten Berge der Welt und ist deshalb ein begehrtes Ziel. Mit meinem Bericht möchte ich Expeditionsinteressenten mit den von mir gemachten Erfahrungen aus dem Jahr 2019 informieren.

Ein Urteil über die Art des Bergsteigens an der Ama Dablam darf sich jeder selbst bilden, wenn er am Südwestgrat geklettert ist.