Mallorca die vergessene Kletterinsel

Dass man auf Malle richtig feiern kann, ist durchaus bekannt. Dass man dort aber auch herrliche Radtouren unternehmen kann, wissen meist nur die Insider. Auch Wandern in den Bergen wird immer beliebter. Doch nur wenige Sportkletterer wissen, dass auf Mallorca in den neunziger Jahren der erste große Sportkletterboom auf einer Mittelmeer Insel eingesetzt hat. Spanische und französische Protagonosten entdeckten die schier unbegrenzten Möglichkeiten an den herrlichen Felsformationen und begannen nach und nach Routen einzubohren. Der Klettertourismus fing sofort an zu wachsen. Doch so schnell wie er aufblühte, so schnell war er auch wieder vorbei. Denn die Szene zog weiter in andere Länder und suchte neue Gebiete. Der Sportkletter-Reisetourismus war von nun an geboren.

In den Klettergebieten Mallorcas wurde es wieder still. Die Wege zu den Felsen wucherten zu und die Sicherungshaken aus billigem Stahl rosteten in unvorstellbarer Geschwindigkeit vor sich hin. Niemand kümmerte sich um den weiteren Erhalt der schönen Fels Sektoren. Erst in den letzten Jahren begann man die vergessenen Diamanten wieder zu entdecken und neu aufzupolieren. 

 

GEBIETSINFOS

Gebiet:
Mallorca – Spanische Ferieninsel

Sportklettergebiete:
35, ohne „Deep Water Soloing“

Routen:
Rund 1500, ohne „Deep Water Soloing“

Länge:
Meist Einseillängenrouten von 15 bis 40 Meter Länge.
Im Gebiet „Sa Gubia“ gibt es alpine Mehrseillängenrouten bis zu 200 Meter Länge.

Schwierigkeitsgrad:
4a – 8c+

Charakteristik:
Wasserzerfressener Kalkfels in allen Variationsformen. Von Plattenkletterei, steiler Wandkletterei, Sinterkletterei, Überhangkletterei im Ausdauer- wie auch Boulderbereich, sowie Deep Water Soloing ist alles zu haben.

Absicherung:

Größtenteils 10mm Schwerlastanker und Klebehaken.
Leider wurden in der ersten Erschließungsphase meist nur „billige“ Bohrhaken (eloxiert/verzinkt) verwendet. Die salzhaltige Luft hat ihnen schwer zugesetzt, so dass sich schnell Rost gebildet hat. Bei meiner Sanierung div. Routen stellte ich jedoch fest, dass die meisten Haken außen schlimmer aussehen als sie innen sind. Zum Glück!
Ab 2010 hat man sinnvoller Weise in einigen Gebieten mit der Erneuerung von Zwischen- und Umlenkhaken begonnen. Doch leider nur spärlich, so dass viele Routen einfach nicht mehr geklettert werden konnten. Wegen dem Nichtvorhandensein einer großen Einheimischen-Kletterszene bzw. Kletterverein mit finanziellem Background war das auch nicht anders zu erwarten.

Update 2017:                                                                                                                                                                   Als ich 2017 erneut auf die Insel kam, war die Überraschung groß. Es gab einige neue Gebiete und sehr viele sanierte Routen, wenn auch teilweise wieder nur mit verzinktem Material. Dennoch ist die Auswahl der Klettermöglichkeiten nun wieder enorm gewachsen.

Reiseinfos:
Im Internet findet man während der Nebensaison im Oktober/November und März/April äußerst günstige „all inklusive“ Angebote mit Flug und Hotel. Wer kann, sollte „azyklisch“ fliegen. D.h. unter der Woche anreisen und unter der Woche abreisen. Ein Internet-Check bietet dazu die Möglichkeiten von zu Hause aus zu planen. 10 Tage Aufenthalt mit Flug und Halbpension in einem 4 Sterne Hotel kann bei günstiger Buchung z.B. Anfang Mai ab 400,- Euro p. P. zu haben sein.

Beste Zeit zum Klettern:
Auf Mallorca kann das ganze Jahr über geklettert werden. Es gibt Klettergebiete in allen Expositionen. Im Winter kann es in der Bergen recht frisch werden, im Sommer an der Küste sehr heiß. Nach meiner Erfahrung ist die Zeit zwischen März und Mai, sowie September bis Anfang Dezember hervorragend geeignet.

In welcher Region sollte man sich einmieten?
Die Insel ist relativ klein und verkehrstechnisch gut erschlossen, so dass man mit dem Auto nicht länger als eine Stunde zu den weitesten Klettergebieten fährt. Wer sich dem „Halli Galli“ Rummel von Palma de Mallorca etwas entziehen möchte, dem sei der Süden oder der Norden der Insel als Standpunkt empfohlen. Die Hotels sind meist sehr gut geführt und bieten jeglichen Komfort.

Mietauto:
Ohne Mietauto kommt man nicht zu den Klettergebieten, die auf der ganzen Insel verstreut sind. Wer im Internet nach guten Angeboten sucht, kommt billiger weg als beim Reiseveranstalter. Meist liegen die Vermietungsbüros in unmittelbarer Nähe des Flughafens, so dass man sofort nach der Landung sein Auto in Empfang nehmen kann.
Wer ein Navi hat sollte es mitnehmen. So spart man Zeit bei der Suche des Hotels und der Klettergebiete.
Wo das Auto am Flughafen in München abstellen?
Wiederum im Internet findet man relativ günstige Angebote für Langzeitparkplätze rund um den Flughafen. Einfach auf Google „Parkplatz München Flughafen“ eingeben und günstige Anbieter vergleichen. Der Shuttle Service vom Parkplatz zum Flughafen und nach dem Urlaub zurück, ist inklusive.

Günstige Flüge gibt es auch von kleineren Flughäfen in Deutschland!

Sind die Klettergebiete kindertauglich?
In einigen Klettergebieten kann man sich ohne weiteres auch mit kleinen Kindern (Kindergartenalter) aufhalten.
Gerade „Cala Magraner“ und „Tijuana“ bieten sich hierfür besonders an.

Schwierigkeitsgrade:
In mehr als 35 Klettergebieten (ohne Deep Water Soloing) gibt es Routen von 4a bis 8c+.

Bewertung:                                                                                                                                                                 Bei der Schwierigkeitsbewertung sollte man etwas vorsichtig sein. Manchmal ist man überrascht wie hart die Touren eingestuft sind.

Hakenabstände:                                                                                                                                                     Die Hakenabstände sind meist o.k. und betragen zwischen zwei und drei Meter. Bin aber auch schon vereinzelt Routen geklettert bei denen man von einem „Runout“ sprechen kann. Doch das ist eher die Ausnahme.

Gibt es auch Mehrseillängenrouten?
Nicht sehr viele, doch die wenigen im Gebiet von „Sa Gubia“ sind absolut empfehlenswert.

Potential für Neutouren gäbe es genügend auf der ganzen Insel.

Gibt es auf Mallorca auch Campingplätze?
Ich habe noch keinen entdeckt. Wer trotz den günstigen „Flug und Hotel“ Angeboten lieber einen Kletter-/Zelturlaub machen möchte, ist sicherlich besser in Arco (ITA) aufgehoben.

Gibt es auf Mallorca auch Ferienwohnungen?                                                                                              Ja auf jeden Fall. Einfach auf „booking.com“ oder „airbnb“ schauen und einen günstigen Flug dazu buchen. Man sollte aber genau nachrechnen, ob sich der Aufwand mit Einkaufen, Kochen, Abspülen usw. lohnt. Im Hotel mit Halbpension muss man sich um gar nichts kümmern und ist manchmal auch nicht teurer…

Gibt es einen guten Kletterführer?
Der aktuelle Kletterführer von MALLORCA ist 2016 erschienen und relativ aktuell.
Er wurde von Alan James und Mark Glaister erarbeitet und ist im Rockfax –Verlag erschienen.
Diesen Führer kann man problemlos über das Internet beziehen.

Stimmt es, dass viele der Bohrhaken stark verrostet sind?
Ja, das ist leider der Fall. Die salzhaltige Luft hat den herkömmlichen Schwerlastankern erheblich zugesetzt, so dass man in div. Routen teilweise nur noch schwarze „Rostklumpen“ erkennen kann. Leider ist die Kletterszene in Mallorca sehr klein. Einen Kletterverein, der sich um Gebietserschließungen und deren Erhaltung kümmert, gibt es wahrscheinlich nicht. Trotzdem wurde in den letzten Jahren mehr und mehr aus Privatinitiative mit Edelstahlhaken saniert. Auch ich hatte schon zweimal die Bohrmaschine mit im Gepäck, um einige der „Traumrouten“ wieder salonfähig zu machen. Seit Ende des ersten „Mallorca-Klettereransturmes“ in den neunziger Jahren schlummern viele schöne Routen in einem Dornröschenschlaf und rosten leider vor sich hin…

Update 2017                                                                                                                                                                      Wie schon zuvor beschrieben hat sich in den letzten Jahren in Bezug auf Hakenerneuerung und Neuerschließung sehr viel Positives getan. HIER der Bericht und das Video vom Spanischen Alpenverein.

Gibt es noch Potential für Neuerschließungen?
Ja, es gibt eine fast unzählbare Anzahl von Felsgebieten, die noch völlig unberührt sind. Gerade das Gebiet um Alora ist nur teilweise erschlossen. Wände mit einem halben Kilometer
Ausdehnung und einer Höhe über hundert Meter sind schon von Weitem zu erkennen…

Tipp:                                                                                                                                                                       Navi für das Mietauto mitnehmen. Dann findet man die Klettergebiete und das Hotel beim Rückweg schneller. Eine kleine Bürste zum Griffe putzen gehört mit an den Klettergurt.

Ein bis zwei Hakenlaschen und Edelstahlmuttern (10 mm) incl. einem kleinen Schraubenschlüssel können nicht schaden. Hatte auch schon gesehen, dass hier und da eine Bohrhakenlasche fehlt bzw. locker ist. Das Kletterseil sollte schon 70 Meter haben. Es gibt in div. Gebieten schöne Routen in denen man zwei Seillängen zusammenhängen kann.

Aktuelle Zusatzinformationen zum Kletterführer:                                                                                     Ein PDF zum Herunterladen auf dieser Seite rechts oben