Routeninfos:

Route:
Schrei aus Stein: Kletterlänge vom Wandfuß ca. 650 Meter bis zum Ende der Route; 750 bis zum Gipfel; Schwierigkeitsvorschlag: 9- im Rotpunkt Durchstieg (8-/8 obl.)

Infos zum Routenname: Kinofilm

Allgemeines:
Die Route Schrei aus Stein an der Gimpel Nordwand gehört sicherlich zu den längsten und anspruchsvollsten Kletterrouten in den Tannheimer Bergen sowie den angrenzenden Allgäuer Alpen.

Ein Vergleich mit großen Dolomitentouren ist durchaus angebracht.

Der große Unterschied liegt jedoch darin, dass die Route mit Bohrhaken abgeschert ist. Dennoch sollten sich Wiederholer auf ein dem Schwierigkeitsgrad entsprechend anspruchsvolles Unternehmen einstellen und keinen Vergleich mit den gegenüber liegenden Südwandrouten anstellen.

Stützpunkt:
Otto Mayr Hütte (DAV-Sektion Augsburg), Tel. 0043-(0)5677 8457
Das nette Hüttenpersonal gibt gerne Auskunft über die Wandverhältnisse.

– Von Musau/Ortsteil Roßschläg bei Reutte in Tirol (Gasthaus „Bärenfalle“) führt ein acht Kilometer langer Forstweg (für Kfz gesperrt) direkt zur Hütte. Eine ideale Strecke zum Mountainbiken.
– Von Grän im Tannheimer Tal fährt man mit der Bahn zum Füssener Jöchle (Fahrzeit von 9 – 16.30 Uhr). Von dort gelangt man bequem in rund 45 Minuten Abstieg ins Reintal zur Hütte.

Weg zum Einstieg:
Direkt von der Hütte folgt man dem Forstweg in Richtung Tal. Nach der ersten großen Kurve geht es durch einen kleinen Wald. Über das sich anschließende Geröllfeld hinauf zum Einstieg.
Ca. 30 Minuten von der Hütte.

Die Route Schrei aus Stein  hat eine silberne Einstiegstafel, die sich jedoch 6 Meter über dem Boden befindet. Als ich sie im Juni 2008 anbrachte konnte ich mir nicht vorstellen, dass so viel Schnee liegt.

Also nach oben Ausschau halten.

Schwierigkeitsgrad:
5, 6+, 4+, 7, 6-, 3, 3, 1, 3+, 7+, 7+, 6, 6+, 9-, 6+, 7-, 7+, 2, 8, 8-, ca. 100 Meter im max. 2. Grad bis zum Gipfel.
Der Bewertungsvorschlag dürfte sich laut Aussage von Wiederholern bei 9- (8-/8 obl.) einpendeln. Voraussetzung sind optimale Verhältnisse, wenn die Schlüsselseillänge absolut trocken ist.

Anmerkung:                                                                                                                                                           Die obligatorischen Schwierigkeiten sind in der Gipfelwand zu klettern. Deswegen ist auch nach der eigentlichen Schlüsselseillänge noch hohe Konzentration und gute Ausdauer gefragt.

Charakter:
Anspruchsvolle alpine Sportkletterroute in beeindruckendem Ambiente mit meist gutem Fels. Wenige Zwischenpassagen mit brüchigen Gesteinszonen sind vorhanden.

Prädikat:
Alpinistisch sehr empfehlenswert!

Abstiege:
– Nach der letzten schweren Seillänge besteht die Möglichkeit über eine nicht immer leicht zu findende Abseilpiste abzuseilen. Diese wurde für Rückzüge bei aufkommendem Gewitter eingreichtet. Dennoch sollte man dafür mindestens 2 Stunden einplanen.

Ohne Gipfelerlebnis hat man nur die halbe Tour gemacht.

– Aufstieg zum Gipfel. Abstieg über den Westgrat (3+) zur Judenscharte. Der weitere Weg durch die Rinne zwischen Gimpel und Roter Flüh ist nicht mehr mit Drahtseil gesichert, doch für gute Alpinisten kein großes Problem. Schrofengelände mit Passagen im 2.-3. Schwierigkeitsgrad. Am Anfang im Abstiegsinne links bleiben und Helm auflassen.

Bei dieser Variante kommt man direkt wieder am Einstieg vorbei, sollte sich aber den Abstiegsweg durch die Rinne zwischen Roter Flüh und Gimpel vorher gut anschauen. Bei einbrechender Dunkelheit dürfte die Orientierung problematisch werden. 

– Aufstieg zum Gipfel. Abstieg über den Normalweg zuerst ostwärts und später durch die Südflanke bis zum Geröllfeld unter der Südwand folgen (markiert). Ab hier auf dem Wanderweg in Richtung Kellespitze bis zur Nesselwängler Scharte. Durch die Nesselwängler Scharte hindurch und weiter nordseitig auf dem Weg in Richtung Reintal absteigen.

Dies ist der einfachste aber auch der längste Weg in Richtung Einstieg bzw. Otto Mayr Hütte.

-Vom  Gimpel Gipfel westwärts über den Westgrat bis zur Judenscharte abklettern/abseilen (III+). Von der Judenscharte auf dem Normalweg bis zur Roten Flüh aufsteigen. Danach dem „Friedberger Klettersteig“ westwärts folgen bis eine gut sichtbare Geröll Rinne ins Reintal leitet. Oder man bleibt auf dem Klettersteig bis zum Füssener Jöchle und steigt über die Skipiste nach Grän ab.

Dieser Abstieg stellt lediglich eine Alternative dar wenn man von Grän aus gestartet ist.

Eine weitere Alternative für Kletterer, die auf dem Gipfel aussteigen möchten – was nach einer dieser großartigen Touren sicherlich empfehlenswert ist – wäre der Abstieg über das Gimpelhaus nach Nesselwängle. Wer hier ein Auto/Fahrrad deponiert hat, ist nach 5 Kilometer wieder an der Liftstation „Füssener Jöchle“ in Grän.

Diese Variante ist relativ entspannt und sicher.  Auch bei einbrechender Dunkelheit.

Material:
Die Route ist mit Bohrhaken ausgerüstet. Dennoch können ein paar Keile und Friends/Camalots zur weiteren Absicherung nicht schaden.
Doppelseil mit 60 Metern Länge, Helm, Schlingen, 12 Express, Schraubkarabiner und Abseilgerät. Ab und zu wurde schon von lockeren Hakenlaschen berichtet. Ein kleiner M 10 Schraubenschlüssel kann da nicht schaden.

Wichtiger Hinweis:
Nur bei sicherer Wetterlage einsteigen!

Schnell heranziehende Gewitter von Süden sind nicht zu erkennen und deshalb sehr gefährlich.

Führer:
Der umfangreichste Kletterführer des Gebietes von Toni Freudig über die Tannheimer Nordseite.
Der Auswahlführer „Allgäu und Tannheimer Berge“. Neu erschienen im Panico Verlag 2010.

Tipp:
Die ersten 5 Seillängen der Route „Schrei aus Stein“ kann als schöne Halbtagestour bis zum max. 7 Grad genutzt werden. Keile und Friends werden hierfür nicht benötigt.

In der Nähe der Otto Mayr Hütte befinden sich zum Teil schöne Klettergärten in jeder Ausrichtung (in den Führern teilweise beschrieben, ansonsten in der Hütte nachfragen). Also keine Sorge bei unsicherem Wetter.
Falls es zu kalt für eine Nordwand Route ist, gelangt man in ca. einer Stunde zur Sebenkopf Südwand. Die Topos dazu gibt es im Panico Führer „Allgäu/Tannheimer Berge“ oder auf der Homepage von Walter Hölzler. TOPOS Sebenkopf