Schon seit mehr als sechzig Jahren sieht man kletterbegeisterte Alpinisten aus nah und fern in der plattigen Südwand der Roten Flüh. Die schnelle Erreichbarkeit, die sonnseitige Exposition und der verlockend hellgraue Kalkstein sind Gründe die dafür sprechen. Doch als die Kletterbiebeln von Walter Pause „Im schweren Fels“ und „Im extremen Fels“ ausverkauft waren und sich im Tannheimer Tal ein öffentlicher Streit über die planmäßige Sanierung der Sicherungshaken entfachte, wurde es ruhig in den Wänden. Aber auch hier hat die Zeit die Wunden geheilt. So sind alle lohnenden Routen saniert und auch neue dazu gekommen…

 

Spiderman: 9

Die Route zieht durch den glatten, schwach ausgeprägten, Pfeiler im linken Teil der Südwand. Der Einstieg befindet sich bei einer Sanduhr mit Schlinge ca. 20 m rechts des Einstieges der Alten Südwand.
Die direkte Linie führt über mehrere Aufschwünge und Platten zum letzten Standplatz der Südwestkante. Von hier steigt – oder seilt man 20 Meter in die Schlucht der Alten Südwand ab und quert diese. Nach einer kurzen, gelben, Wandstufe erreicht man das gut sichtbare Grasband, von dem aus es über steile Platten und einen Überhang direkt zum Gipfel geht.

Kletterlänge:
Ca. 280m – 10 Seillängen

Schwierigkeitsgrad:
1. SL 7+/8-,   2. SL 9-,   3. SL 8+,   4. SL 8+/9-,   5. SL 8+,   6. SL 4-,   7. SL 9-,   8. SL 9,   9. SL 5,  10. SL 4-

Charakter:
Spiderman gehört immer noch zu den anspruchsvollsten alpinen  Kletterrouten in den Tannheimer und Allgäuer Bergen. Sie weist durchgehend steile Plattenkletterei, gepaart mit athletischen Überhängen auf. Der Fels ist, wie die Absicherung, bis auf wenige Stellen ausgezeichnet.

Absicherung:
Die Route ist vollständig mit Edelstahl Bohrhaken ausgerüstet. Weiteres Material wie Klemmkeile wurde von mir nicht eingesetzt. Von Wiederholern hörte ich aber, dass sie zusätzlich kleine Cam`s (Friends) benützten, um ein paar Runounts zu entschärfen. In der 7. Seillänge setzte ich nach Anraten von Wiederholern einen zusätzlichen Bohrhaken.

Material:
12 Express Schlingen, 2-3 Bandschlingen, Doppelseil, Sicherungsgerät, Helm

Tipp:
Das große Loch in der zweiten Seillänge ist oft nass. Eine Begehung ist trotzdem möglich. Falls alle Löcher in der „Spiegelwand“ (2 SL) feucht sind, gibt es ca. 10 Meter rechts eine Umgehungsvariante im siebten Grad (3 Bohrhaken).

  1. Begehung (Rotpunkt) durch               Walter Hölzler am 31.08.02
  2. Begehung (on sight/Flash) durch      Markus Hoppe/Dresden am 18.09.02

Markus Hoppe war mehrfacher Deutscher Meister im Wettkampfklettern und erreichte beim Kletterweltcup Platzierungen unter den besten 5. Er verbrachte zwei Jahre als Spitzensportler bei der Sportfördergruppe in Sonthofen. Dabei entdeckte er für sich auch das alpine Sportklettern.

Anmerkung:
An den Südwänden der Tannheimer Berge haben wir eine sehr unterschiedliche Gesteinsqualität. Von herrlich festen Platten bis extrem bröseligen Überhängen findet man alles. Manchmal sogar in einer Route auf engstem Raum. Aus diesem Grund habe ich bei einigen meiner Erstbegehungen nachträglich ein paar wichtige Griffe/Tritte mit Sika unterstützt. Es ging mir nicht darum eine Route zu bauen, sondern Wege zu hinterlassen, die für kommende Kletterer in der Gesteinsqualität und der klettertechnischen Anforderung gleichbleibend sind. Es wäre zu schade und ärgerlich, wenn sich durch Griffausbrüche die Schwierigkeiten ständig ändern und die Routen deshalb nicht mehr nachvollziehbar sind. Mein Beweggrund ist, in einem solch hoch frequentierten Alpin-Klettergebiet schöne Routen zu hinterlassen. Ich hoffe, sie bleiben über viele Jahre in ihrer Art und Qualität erhalten, so dass sie allen  Wiederholern viel Freude bereiten. Denn nur dann lohnt sich die ganze Arbeit in meiner Freizeit. 

Wer ein Problem damit hat, sollte sich eine andere Route im Gebiet aussuchen. Aber auch dort wurden teilweise aus ähnlichen Gründen ganz bewusst brüchige Felspartien systematisch ausgeräumt, ab und zu verfestigt und die Bohrhaken meist von oben kommend eingeklebt.

Abstieg:

Vom Ausstieg in wenigen Minuten zum Gipfel der Roten Flüh. Von hier entweder über den Normalweg oder die Abseilpiste in der Südwestseite der Roten Flüh zurück.

 Weg zur Abseilpiste durch die Rote Flüh Südwestwand:

Vom Gipfel der Roten Flüh folgt man dem Weg westwärts in Richtung Friedberger Klettersteig bis zu einer ca. 10 Meter hohen und fast senkrechten Felspassage. Über diese steigt man auf mehreren Stahlstiften in einen Kamingrund ab. Kurz danach weisen rote Markierungspfeile rechts um die Ecke in Richtung Friedberger Klettersteig. Diesen folgt man nicht, sondern klettert direkt über Schrofen und Geröll etwas unangenehm ca. 15 Meter gerade hinunter zur Felskante. Hier findet man die erste große Abseilkette. Mit einem 50 Meter Doppelseil gelangt man in drei Abseilfahrten bequem und schnell zum Wandfuß.

 

Schwarze Mamba: 8

Die gelbe, teilweise stark überhängende Südwestwand des Hochwieslers schließt in ihrem linken Teil mit einem schiffsbugartigen Pfeiler ab. Der Einstieg der Route Schwarze Mamba befindet sich direkt unter diesem Pfeiler, am Beginn eines auffällig schwarzen Streifens.
Die erste Seillänge führt über diesen schwarzen Streifen auf den beschriebenen Pfeilerkopf. Die nächsten Seillängen folgen, immer leicht links haltend, einem Plattengürtel bis auf den markanten Hochwieslersporn.
Vom Standplatz des Hochwieslerspornes quert man auf einem Band in die gut sichtbare Scharte und steigt 20 Meter unschwierig über Gras zum Standplatz der 7. Seillänge ab. Von hier geht es in weiteren zwei Seillängen über Platten auf den Südostgrat der Roten Flüh.

Kletterlänge:
250m, 8 Seillängen

Schwierigkeitsgrad:
1. SL 7+/8-,   2. SL 8-,   3SL. 7,   4. SL 5+,   5. SL 6+,   6. SL 6,   7. SL 7+,   8. SL 5

Im Panico Führer wurde der Schwierigkeitsgrad teilweise etwas hochgestuft, so dass dort die 1. SL mit 8- und die 2. SL mit 8 bewertet ist.

Charakter:
Nach einer interessanten, Dolomiten ähnlichen Einstiegsverschneidung folgen herrliche Plattenseillängen in gutem Fels. Die Route ist etwas leichter als die benachbarte Via Barbara, aber in der Art der Kletterei vergleichbar.

Absicherung:
Die Route ist mit 73 Klebehaken ausgestattet. Weiteres Material zur Absicherung ist nicht notwendig.

Material:
55 Meter Seil (Doppelseil nur für Abseilpiste)
12 Express Schlingen, 2 Standschlingen, Schraubkarabiner, Abseilgerät, Helm

Erstbegeher:
Walter Hölzler und Nico Galauch im Juli 2003

Abstieg:
1. Vom Ausstieg in wenigen Minuten zum Gipfel der Roten Flüh. Von hier entweder über den Normalweg oder die Abseilpiste in der Südwestseite der Roten Flüh zurück.

Weg zur Abseilpiste durch die Rote Flüh Südwestwand:

Vom Gipfel der Roten Flüh folgt man dem Weg westwärts in Richtung Friedberger Kletterst bis zu einer ca. 10 Meter hohen und fast senkrechten Felspassage. Über diese steigt man auf mehreren Stahlstiften in einen Kamingrund ab. Kurz danach weisen rote Markierungspfeile rechts um die Ecke in Richtung Friedberger Klettersteig. Diesen folgt man nicht, sondern klettert direkt über Schrofen und Geröll etwas unangenehm ca. 15 Meter gerade hinunter zur Felskante. Hier findet man die erste große Abseilkette. Mit einem 50 Meter Doppelseil gelangt man in drei Abseilfahrten bequem und schnell zum Wandfuß.

2. Vom Ausstieg gesehen, links haltend in die Scharte ca. 50 m abseilen. Von hier nordseitig durch einen kleinen Kamin (Grad II) auf den Hochwieslersporn. Nun unschwierig zur Abseilpiste durch die Hochwiesler Südwand.

Tipp:

Die Einstiegsseillänge ist öfters nass. Bei Feuchtigkeit geht es trotzdem. Ansonsten ein Ausweichziel parat halten. Z. B. den „Highway der Träume“ gleich rechts nebenan.

 

Südwestkante mit Gipfeldurchstieg: 7- oder 6-/A0

Länge:
Ca. 280m – 10 Seillängen

Schwierigkeitsgrad:
1. SL 6+,  2. SL 6+,  3. SL 6+/7-,  4. SL 5,  5. SL 7-,  6. SL 4,  7. SL 3,  8. SL 6-,  9. SL 6-,  10. SL 5-

Charakter:
Nach der Sanierung der kompletten Route gehört die Südwestkante mit Gipfelausstieg zu den schönsten und homogensten Kletterrouten im 6. Schwierigkeitsgrad in den Tannheimer Südwänden. Herrliche Plattenstellen mit ein paar Überhängen „gewürzt“ machen das Klettern in der gut gesicherten Route zu einem Genuss. Trotzdem sollte der Sechste Grad beherrscht werden.

Absicherung:
Die Route ist vollständig mit Klebehaken ausgerüstet. Mittlere Keile dienen der zusätzlichen Absicherung, sind aber nicht unbedingt notwendig.

Abstieg:
1. Vom Ausstieg in wenigen Minuten zum Gipfel der Roten Flüh. Von hier entweder über den Normalweg oder die Abseilpiste in der Südwestseite der Roten Flüh zurück.

Weg zur Abseilpiste durch die Rote Flüh Südwestwand:

Vom Gipfel der Roten Flüh folgt man dem Weg westwärts in Richtung Friedberger Klettersteig bis zu einer ca. 10 Meter hohen und fast senkrechten Felspassage. Über diese steigt man auf mehreren Stahlstiften in einen Kamingrund ab. Kurz danach weisen rote Markierungspfeile rechts um die Ecke in Richtung Friedberger Klettersteig. Diesen folgt man nicht, sondern klettert direkt über Schrofen und Geröll etwas unangenehm ca. 15 Meter gerade hinunter zur Felskante. Hier findet man die erste große Abseilkette. Mit einem 50 Meter Doppelseil gelangt man in drei Abseilfahrten bequem und schnell zum Wandfuß.

Tipp:
Sehr empfehlenswert!

– Deswegen auch viel besucht…
– Besserer am späten Vormittag einsteigen. Dann ist der erste Andrang vorbei und man hat mehr Sonne.