Januar 2015

The Summit – Gipfel des Todes

Auch der K2 in Pakistan wird wie der Mt. Everest seit mehreren Jahren von kommerziellen Expeditionsgruppen belagert. Der große Unterschied zum Everest ist aber, dass die Normalroute über den Abruzzisporn schwieriger ist als die zwei Normalwege (Süd- und Nordroute) am höchsten Berg der Welt. Mehrfach ereigneten sich am K2 große Tragödien. Letztmals im Jahr 2008 als 24 Bergsteiger bei perfektem Wetter vom Hochlager in Richtung Gipfel aufbrechen und nicht im geringsten ahnen, dass nur 13 von ihnen wieder zurück kommen.

Filmemacher Nick Ryan erzählt mit bewegenden Interviews der Überlebenden und dramatischen Rekonstruktionen, was zur Tragödie geführt haben könnte. Eine mehrfach preisgekrönte und im wahrsten Sinne atemberaubende Dokumentation.

Hier geht es zum Film: „The Summit – Gipfel des Todes“

Update 10.01.15: Leider ist der Film seit kurzer Zeit in der Mediathek von Servus TV nicht mehr abspielbar.

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Der majestätische Berg

Im Jahr 1993 stand ich selbst vor dem K2. Ein Berg der eindrücklicher nicht sein könnte. Seine formvollendete Gestalt wirkt magisch und lässt Träume erblühen. Auch ich war gefesselt von ihm und wollte in absehbarer Zeit einen ernsthaften Versuch wagen. Doch der Preis, das Risiko und der kommerzielle „Expeditionstourismus“ an den Achttausendern haben mich bis heute davon abgehalten.

Nur der Gipfelerfolg zählt

Während meiner 1993er Expedition mit dem Ziel, den Gasherbrum I (8068m) und den Gasherbrum II (8035m) während einer Expedition zu besteigen, musste ich feststellen, dass an den Achttausendern moralische Grundsätze keine große Rolle spielen. Es geht hier allein um den Gipfelerfolg, egal mit welchen Mitteln…

Die Story

Eine Deutsches Bergsteiger Pärchen mit geringer alpinistischer Erfahrung hatte sich bei einem amerikanischen Expeditionsanbieter für eine Gasherbrum II Besteigung eingekauft. Beide lernte ich im Basecamp kennen. Nachdem es auf Grund von extremen Wetterbedingungen (Schneefall und Lawinen) nur wenige Schönwetter-Fenster gab, entschieden sich die Deutschen allein auf 6000 Meter in einem Zelt auf bessere Zeiten zu warten. Sie rechtfertigten ihre Vorgehensweise mit einer optimalen Akklimatisation und der „Pole Position“ im Falle eines Aufbruches der im BC wartenden Expeditionsgrupppen. Doch die Rechnung ging nicht auf, denn es schneite immer weiter…

Als sich die zwei nach ein paar Tagen bei ihrem amerikanischen Expeditionsleiter per Funk im Basislager meldeten, war die Lage bereits kritisch. Auf Grund ihres langen Höhenaufenthalts in Verbindung mit zu wenig Nahrung und Flüssigkeit waren sie so stark geschwächt, dass ein selbständiger Rückmarsch ins Basislager nicht mehr durchführbar war.

Der amerikanische Expeditionsleiter ihres Teams verweigerte jedoch eine Rettungsaktion, weil er sich nicht mehr zuständig fühlte. Schließlich seien die Deutschen auf eigene Verantwortung in das Hochlager auf knapp 6000 Meter gezogen. Trotz Aufforderung mehrerer internationaler Bergsteiger im Basislager ließ sich das amerikanische Team nicht umstimmen und bereitete in aller Seelenruhe den Abbau ihres Basislagers vor. Die Träger waren bestellt, die Expedition für sie zu Ende.

In größter Eile entschieden wir uns von der G I Expeditionsgruppe mit drei Leuten durch den gefährlichen Gletscherbruch zu steigen, um die Deutschen Bergsteiger aus ihrer lebensbedrohlichen Lage zu retten. Hätten wir diesen Versuch nicht gewagt, wären sie ihrem Schicksal überlassen gewesen.

Über 20 Stunden dauerte die schwierige Aktion mit glücklicherweise erfolgreichem Ausgang. Beide Bergsteiger wurden zwei Tage später, schwer höhen krank, mit einem Militärhubschrauber vom Basislager in das nächst gelegene Krankenhaus geflogen.

Vom Münchner Pärchen, für die wir unser Leben aufs Spiel gesetzt hatten, habe ich nie wieder etwas gehört. Nicht einmal ein „Dankeschön“.

Abbruch unserer Expedition

Nach der oben geschilderten Rettungsaktion entschlossen wir uns ebenfalls für einen Abbruch der Expedition, da die Lawinengefahr am GI und am G II jeden weiteren Versuch vereitelte.

Unbändiger Tatendrang

Während der Wartezeit im Basislager auf die angeforderten Träger wurde das Wetter überraschend schön und warm. Meinen Tatendrang nach den langen Schlechtwetterphasen konnte ich fast nicht mehr bändigen. Schließlich hatte ich mich so lange auf die Achttausender Doppelexpedition vorbereitet, ohne dass am Ende etwas herausgekommen ist.

Erstbegehungsversuch am Gasherbrum VI

Die umliegenden Gipfel erstrahlten nun in ihrem vollen Glanz. Ganz besonders die 2000 Meter hohe Südwand des immer noch unbestiegenen Gasherbrum VI (7003 m) hatte es mir angetan. Eine machbare Linie war schnell ausgemacht. Doch es blieben mir nur noch zwei Tage Zeit einen Versuch im Alpinstil zu wagen. Das war genau nach meinem Geschmack, denn oft genug hatte ich ähnliche Routen in den Bergen rund um Chamonix im Alleingang geklettert. Nur eben nicht so lange und so hoch…

Die letzte Chance

Nach einer Wegmarkierung durch den Gletscherbruch am Vortag, startete ich nachts um 24.00 Uhr vom Basislager und wollte in einem Zug bis zum Gipfel und wieder zurück steigen. Die Chance war da. Doch ca. 200 Höhenmeter unter der Gipfelwechte musste ich auf Grund der zunehmenden Lawinengefahr auch hier meinen Rückzug antreten. Die Südwand heizte sich so sehr auf, dass der Schnee auf glatten Felsplatten abzurutschen begann und das Gefahrenpotential meine persönlich festgelegte Grenze für diese Expedition endgültig erreicht hatte.

 

Ein überlegter Rückzug 

ist oft mehr wert, als ein kühner Angriff

Baltasar Gracian