Tessin Klettern – Il nodo infinito

Die Route „Il nodo infinito“

Wenn es in den Alpen zu kalt und den Südwänden des Tessins zu heiß ist, dann bietet sich die schattige Nordwand des Sasso Trolcia geradezu zum Klettern an. Das Verhältnis Anmarsch zur Kletterlänge ist nahezu optimal.

Doch direkt am Beginn der Route, mitten im Wald, könnte man etwas enttäuscht sein. Zwischen hoch gewachsenen Bäumen und Gras erkennt man nicht viel was auf eine schöne Kletterlinie hindeuten würde. Eigentlich ein Grund um sofort wieder umzudrehen. Das wäre aber ein großer Fehler. Denn von Meter zu Meter ist wird man immer wieder positiv überrascht in welch geschickter Linienführung die Route nach oben leitet. Jede Seillänge bietet neue und interessante Kletterstellen an hervorragend geputztem Fels, der nach oben hin immer steiler, aber auch griffiger wird. Die Absicherung entspricht dem Charakter der Route. Sie ist immer gut und nie gefährlich. Dennoch müssen einige Stellen zwischen den Haken geklettert werden. Das ist auch gut so.

Bis auf die Schlüsselseillänge ist das Gestein übersichtlich und on-sight freundlich. Die Bewegungen sind abwechslungsreich, aber nie kompliziert.

In der gut eingebohrten 7b Passage sieht es schon etwas anders aus. Hier suchte ich erst mal etwas ratlos nach der richtigen Lösung und war dann überrascht, wie leicht es funktioniert wenn man weiß wie. Doch allein diese Stelle ist es noch nicht. Ein spezieller „Aufrichter“ kurz vor dem Stand fordert eine völlig andere Bewegung als die Boulderstelle zuvor. Doch genau diese Abwechslung zeichnet die gesamte Route aus und macht sie deswegen so lohnenswert.

 

Il nodo infinito bedeutet soviel wie Der unendliche Knoten.                                

Ein wichtiges Symbol aus dem Buddhismus.

Er spiegelt die Unendlichkeit der Erkenntnis Buddhas wieder. Daneben repräsentiert er Kontinuität bei weltlichen Dingen, wie z. B. Freundschaft und Liebe.

Welch schönes Symbol für eine außergewöhnlich schöne Route, die der Erstbegeher G. Gugini im gesicherten Alleingang den italienischen Spitzenalpinisten und Alleingängern Marco Pedrini und Renato Casarotto gewidmet hat.

… Sie alle hatten noch das schaurige Ende des italienischen Alleingängers Renato Casarotto erlebt, der wenige hundert Meter oberhalb des Basislagers des K2 in eine Gletscherspalte gestürzt war. Über Funk sagte er seiner Frau: „Ich muss sterben“, dann betete er. Eine Stunde später war er tot.