Klettern Ammergauer Alpen „Zeitgeist“

Bericht über die Begehung der Route „Zeitgeist“ im Jahr 2008

Oft schon blickte ich vom Gipfel des Geiselsteins zur Krähe Nordwand hinüber weil ich wusste, dass dort in den letzten Jahren Neutouren entstanden sind. Gerade die Route „Zeitgeist“ von Wolfi Hofer und Dieter Elsner wurden in der Insiderszene hoch gehandelt.

Erst im Sommer des letzten Jahres schaffte ich es, diese Route als Ziel ins Auge zu fassen. Leider waren die Verhältnisse nicht optimal, da es am Tag zuvor auf Grund von Gewittern stark regnete. Und gerade das wäre für diese Wand sehr schlecht, sagte man mir. Doch einen Versuch wollten wir wenigstes wagen, da Flori mein Kletterpartner in der Nähe von Halblech wohnt und wie ich nur an diesem Tag Zeit hatte.
Mit dem Mountainbike legte er ein Tempo vor, das mich aus der Reserve lockte. Er ist fast 15 Jahre jünger und wollte mir zeigen, wo der Hammer hängt. An der Kenzenhütte angekommen waren die Oberschenkel schon ausreichend mit Milchsäure gefüllt. Jetzt konnte ich nur hoffen, dass die Tour wenig koordinative Fähigkeiten im Bereich der Stehtechnik fordert.
Auf dem Weg zum Einstieg sah es nicht sehr vielversprechend aus. Aus allen Rissen und Löchern tropfte das Wasser. Doch schnell erkannte ich auch, dass der Fels extrem rau und griffig ist, weswegen wir trotzdem einstiegen. Denn ein Versuch war es allemal wert. Zuerst brauchte ich ein wenig Zeit, um genügend Vertrauen im nassen Fels aufbauen zu können. Doch je länger wir kletterten um so mehr gewöhnte man sich daran. Jede Seillänge bot herrlich festen und griffigen Kalkfels, der ein höher steigen zum Genuss machte. Bis auf eine Stelle der jeweils ersten und vierten Seillänge ist die Schwierigkeit im reinen Ausdauerklettern angesagt und der Struktur relativ einfach zu lesen. Genuss pur…
Ganz oben zogen sich dicke Gewitterwolken zusammen, die uns zur Eile drängten. So schnell wie möglich wollten wir über die im Topo eingezeichnete Abseilpiste aus der Wand. Doch gerade im oberen Teil konnte ich in der Kürze der Zeit den zweiten Abseilstand nicht ausfindig machen. Also ging es wieder am Seil hoch und noch mal hinauf zum Gipfel, an dem wir mit Blitz und Donner empfangen wurden. Zum Glück war der Normalabstieg von der Krähe einfach und schnell, so dass wir im Dauerlauf, aber dennoch nass, sicher wieder das Tal erreichten.

Fazit: 
Trotz einer On-sight Begehung möchte ich die Route bei wirklich trockenen Verhältnissen nochmals klettern, da ich den wahren Genuss an dem herrlichen Fels höher zu steigen nur erahnen konnte.

Begehung der Route „Zeitgeist“ im Sommer 2016:
8 Jahre sind vergangen, bis ich die Route im Jahr 2016 nochmals klettern konnte. Diesmal wartete ich eine dreitägigen Hitzephase ab, um wirklich trockenen und besten Fels vorzufinden. Doch weit gefehlt. Wieder waren die herrlichen Griff- und Trittlöcher nicht genügend abgetrocknet, so dass  ein Tanz auf „schlüpfrigem Untergrund“ vorprogrammiert war. Irgendwie es geht es dann trotzdem…

Alle wichtigen Infos zur Route findest du bei mir in der Rubrik TOPOS