Hochwiesler „Gelbfieber“ im On Sight

Tobis Wolf aus Dresden – „Gelbfieber On Sigth“

Nach schönem, aber anstrengendem Aufstieg erreichen wir die abweisende und überhängende Wandflucht an der Südwestwand des Hochwieslers. Ein kurzer heftiger Regenschauer läßt Walter und mich unbeeindruckt, da die Tropfen erst mehrere Meter vom Einstieg entfernt den warmen Boden treffen.
Beim ersten Anblick erschien mir diese Wand glatt und unkletterbar. Doch von nahem betrachtet erkenne ich jetzt die Konturen die ein Vorwärtskommen möglich machen. Trotzdem ist der gelbe Fels ungewöhnlich glatt und anspruchsvoll zu klettern. Dem weiteren Verlauf der Route folgend erreiche ich als erster den zweiten und dritten Standplatz, die wie kleine Oasen für den Kletterer in diesem gelben Felsmeer die einzige Möglichkeit zum kurzen Verschnaufen bieten.
Die dritte Seillänge ist die Einfachste, wenn man nach der Schwierigkeit geht. Sie beginnt mit einem gut gesicherten Quergang in etwas unzuverlässigem Fels bevor man in den überhängenden Teil der Wand gelangt. Jetzt heißt es sich auf das Klettern zu konzentrieren und sich nicht von der Steilheit beeindrucken lassen. Wieder mal am Standplatz angekommen schweift der Blick gespannt nach oben. In einer schier unmöglich glatten Wand bettet sich ein ca. 6 Meter langer Riss ein, an dessen unterem Ende ich den ersten Haken sehe. Nach längerem Suchen erkenne ich weiter oben einen weiteren. Doch der Weg dorthin sieht alles andere als einfach aus.
Nach kurzen Startschwierigkeiten löst sich dieses Problem von selbst: Entweder die Flucht vor dem Sturz treibt einen diese technische Passage hinauf oder die Erdanziehungskraft zieht einen bei längerem Zögern kompromisslos von den kleinen Griffen herunter. Diese Schlüsselseillänge hat es in sich. Denn sie leitet nach einem guten Ruhepunkt über eine weiterhin anspruchsvolle Abschluss Passage bei der nochmals volle Konzentration gefordert wird. Die letzte Seillänge, die mit der Südwestwand Route identisch ist, darf nicht unterschätzt werden. Nur wer in überhängenden Rissen Klemmen gelernt hat, der kommt hier nochmals voll auf seine Kosten. 

Fazit:
Die Ausgesetztheit und Steilheit dieser Route ist kaum zu überbieten und in ihrer Art und Weise sehr eindrucksvoll. In einem Dolomiten ähnlichen Ambiente findet man eine solide Absicherung mit Bohrhaken die dem Sportkletter Standart des Schwierigkeitsgrades entspricht.

Geschrieben: Tobias Wolf

Zur Person:
Der Dresdner war Deutscher Juniorenmeister im Lead-Klettern und Mitglied der Junioren Nationalmannschaft im DAV. Im Alter von 18 bis 20 Jahren betreute ich ihn als Trainer bei der Sportfördergruppe in Sonthofen. Dabei entdeckte er das Alpine Sportklettern für sich. So gelang ihm neben der On Sight Begehung der Route Gelbfieber 9- unter anderem auch die Rotpunktbegehung der Route Via Acacia 9+ im Rätikon, die Route Batman 8+/9- (Expo) ebenfalls im On Sight, sowie die psychisch anspruchsvolle Route Dingo 9 (Expo) an den Wendenstöcken (Schweiz).

Bedeutung – Expo:
Schlecht gesicherte Route bei der Stürze schwere Verletzungen zur Folge haben können.

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Oktober 2003