Eldorado – Klettern am Grimselpass

Klettern im Granit Gebiet Eldorado am Grimselpass

Als ich 1989 das erste Mal das in Mode gekommene Eldorado am Grimselpass besuchte, wollte ich mich mit einer mittelschweren Route im 7. UIAA Schwierigkeitsrad mit den für uns Kalkkletterer völlig ungewohnten Granitplatten anfreunden.

„Marche ou creve“ (6b), eine der damals neuesten Routen im Gebiet, hörte sich vielversprechend an. Der Schwierigkeitsgrad lag im Bereich des gehobenen Genusskletterns, was mich dazu bewog als Gebietsneuling in die Route einzusteigen. Weitere Informationen zum Charakter der Tour waren nicht zu erfahren, denn die heutzutage viel genutzten  Internetforen kannte man zu dieser Zeit noch nicht. Vieles wurde bewusst geheim gehalten, denn Alpin Klettern hieß damals „Abenteuer“ erleben und erfahren.

Wäre ich der französischen Sprache mächtig gewesen, hätte ich mich sicherlich anders entschieden. Doch als junger und hoch motivierter Alpinist interessierte mich hauptsächlich der Schwierigkeitsgrad, dem ich grundsätzlich gewachsen war. Erst im Verlauf der Tour bekam ich den Charakter dieser äußerst anspruchsvollen Kletterei eindrücklich zu spüren. Komplexe Griff- und Trittkombinationen auf polierten Granitplatten, die ich so in dieser Form bisher noch nicht kannte, stellten mich auf eine unerwartete Probe. Denn das Ausbrechen einer der Granit-Schüppchen, viele Meter über der letzten Sicherung hätte vermutlich schlimmere Folgen gehabt. Ein Tanz auf der Rasierklinge, den ich mir gerne erspart hätte. Umso glücklicher war ich dann auf dem Gipfel, als ich wusste, dass ich es wirklich geschafft hatte

Erst Wochen später erfuhr ich von Schweizer Kletterern was der Name wirklich bedeutet und welch Abenteuerstatus die Route unter Gebietskennern einnahm.

„Marschier oder krepier“, so die ungefähre Übersetzung, wird heute mit 6c (obl.) und S4 bewertet.

Im aktuellen Führer steht:

Der schwierigste Weg des Sektors; hier ist perfekte Klettertechnik an kleinsten Griffen angesagt und ein bisschen mehr Mut als in den anderen Routen sollte man auch beweisen.  In der 5. Seillänge könnte ein Sturz nach dem 2. Bolt böse auf einem Felsband enden. Erst nachdem man sich mit der lokalen Felscharakteristik vertraut gemacht hat, sollte man hier einsteigen.

Erläuterung“S4″:

Zwingende Kletterpassagen teilweise mehr als 7 Meter zwischen den Haken. Ein Sturz kann größere Verletzungen zur Folge haben.

 

24 Jahre später besuchte ich mit meiner Frau Lena nochmals das früher so hoch gelobte Klettergebiet am Rande des Grimsel Stausees.

Wenig hat sich seit dieser Zeit verändert. Einige neue Routen kamen hinzu und einige Klassiker wurden saniert. Doch die technischen und moralischen Anforderungen sind immer noch die gleichen, wenn auch in manchen Routen aus Sicherheitsgründen ein paar Haken mehr dazu kamen.

Die Zeiten haben sich geändert…